Der Absturz ist vorbei, aber aufwärts geht's noch lange nicht. Peter Bofinger, Star-Ökonom und einer der fünf deutschen „Wirtschaftsweisen", erklärt, warum ein starker Staat notwendig, aber mehr Staat nicht immer die richtige Antwort ist. Falter, 8. Juli 2009
John Malkovich entreißt den dichtenden Killer Jack Unterweger dem Vergessen. taz, 6. Juli 2009
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Wer Visionen hat, braucht einen Arzt, lautete vor ein paar Jahren der Leitspruch sozialdemokratischer Pragmatiker. Jetzt stellt man fest: Wer keine hat, der braucht den Notarzt. Europas Sozialdemokraten sind im Moment wieder ziemlich internationalistisch: Es geht ihnen fast in jedem Land gleich schlecht. Aber der SPÖ geht es speziell nicht gut. Fürchtet sich zu Tode vor Straches FPÖ, ist seit Jahren in der Defensive, und wofür sie eigentlich stehen, wissen Spitzenfunktionäre und kleine Aktivisten im Grunde längst nicht mehr. Profil schärfen, lautet jetzt schon seit Jahren die Parole. Bislang reichte es aber nur für Bürokratenkauderwelsch und Spin-Doktoren-Geplapper. Und die Personalpolitik ist seit Jahren nur mehr eine Negativauslese. Viele sagen, die Sozialdemokraten müssten einfach in ein paar Fragen nach links rücken, Reichensteuer und noch zwei, drei andere Dinge einführen, ein bisserl auf Antifaschismus machen und dann wäre die rosarote Welt wieder in Ordnung. Aber das geht am Kern des Problems vorbei: am Problem der Glaubwürdigkeitsmankos, das die Partei angehäuft hat und an der inneren Sklerose dieses, ja, fast toten Apparats.
Die Fahrradfahrer für den Frieden starten Anfang Juli wieder ihre Tour quer durch Europa, von Paris nach Moskau. Dass man weite Distanzen auf sich nehmen muss, wenn man die Welt verändern will, ist tief im kulturellen Gedächtnis der Menschheit verwurzelt. Der Freitag, 18. Juni 2009
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Hans Dichand, der Patrone von der Krone, gibt ein verschwurbeltes Interview und die Republik steht Kopf: Die Sozialdemokraten verfallen in Panik, alle anderen üben sich in ernste Dichand-Astrologie. Dabei wäre lautes Gelächter die angemessenere Reaktion, wenn Dichand vorgibt, er "spüre" die Anzeichen einer "großen Wendung". Könnte man nicht mit den Achseln zucken und sagen: Opa ist halt schon etwas eigen. Ohnehin erinnert sein Neffenwechsel an jenen Typus des greisen Familientyranns, der jede Woche ein neues Testament aufsetzt, weil er jede Woche einen anderen enterben muss.
Kommunikation ist ein Rauschen, das vor allem aus Irritationen besteht. Manche SMS zielt direkt in unser Gehirn. Aber das größte Desaster ist ein Handy, das niemals klingelt. Der Freitag, 25. Juni 2009
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Die Twitter-Revolution gegen die Musikkassetten-Revolution
In den vergangenen Tagen hat sich die Lage im Iran dramatisch zugespitzt. Was als demokratische Bürgerrechtsbewegung begann, wird nun zu einer regelrechten Revolution. Schiere Torheit hat die Vertreter des Regimes veranlasst, ihre eigenen Grundfesten ins Wanken zu bringen. Erst durch die plumpe Fälschung der Wahl, dann die Repressionen, dann die Drohungen gegen die Demokratiebewegung, dann die Schüsse auf wehrlose Demonstranten ist eine explosive Situation entstanden, in der sogar ein vollständiger Umsturz denkbar ist. So dumm hat sich schon vor 30 Jahren der Schah verhalten - was dann zum Sieg der islamischen Revolution führte. Und über soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook kann jeder mit den Aufständischen verbunden sein. Jede Revolution hat ihre Technologie. Dass wir womöglich einmal von dieser iranischen Revolution als „Twitter-Revolution" sprechen werden, hat eine fast ironische Dimension. Denn diese „Twitter-Revolution" richtet sich gegen das Regime, das aus der islamischen Revolution von 1979 hervorgegangen ist, und die wurde ihrerseits damals Musikkassetten-Revolution genannt: In dem Iran des Schah Reza Pahlewi, in dem es keine freien Medien gab, waren in Millionenauflage zirkulierende Kassetten mit Predigten und Reden der revolutionären Geistlichen - allen voran denen des Ajatollah Khomeini - die wichtigsten Instrumente der Kommunikation geworden.
Dass die Linke nicht von der Krise profitiert, hat eine Reihe von Gründen. Erstens: Viele Leute wählen sie immer noch als Protestpartei und verhalten sich in der Krise „verantwortlich", was heißt, sie haben weniger Lust zum protestieren. Zweitens: Die Vereinigung von PDS, WASG und diversen Milieus der westlichen Linken hat die Partei nicht nur gestärkt. Sie hat jetzt noch mehr Strömungen und Flügel, die sich spinnefeind sind. Das lähmt innerlich. Drittens und vor allem: Die Partei ist gegen den Turbokapitalismus, aber das sind heute schon ja fast alle. Aber wofür ist sie? Für einen neuen, keynesianisch regulierten Kapitalismus, der mehr soziale Gerechtigkeit mit Wachstum kombiniert? Für die Rückkehr zur „Sozialen Marktwirtschaft"? Oder ganz gegen den Kapitalismus? Die Wähler wissen das nicht so genau, weil sie, wir mir scheint, das selbst nicht so genau weiß. Will sie eine neue, authentischere Sozialdemokratie sein? Oder eine antikapitalistische Kraft? Die momentane Führung scheint zu glauben, sie könne diese Unentschiedenheit durch populistische Kraftmeierei übertünchen. Das kann sie auch bis zu einem gewissen Grad. Aber das verhindert zugleich, dass sie ihre Kreise erweitern kann. Kurzum: Sie hat Forderungen, aber kein Programm. Sie ist damit, auf ihre Art, was sie den anderen vorwirft: Eine Partei, die nicht weiß, wofür sie steht.
taz, 18. Juni 2009
Da alles Kommunikation ist, hat derjenige Deutungshoheit, der eingängige Slogans prägt. Jürgen Habermas ist ein solcher Bezeichnungskünstler. „Der Publizist Habermas hat dem Wissenschaftler Habermas immer wieder zu prägnanten Formulierungen verholfen, ohne die in einer Kommunikationsgesellschaft Öffentlichkeit nicht erreicht werden kann", schrieb Detlev Claussen einmal. „Eine Art Schadensabwicklung", „Die neue Unübersichtlichkeit", das sind fast geflügelte Worte geworden, und den „herrschaftsfreien Diskurs", den fordert mancher ein, ohne genau zu wissen, was es mit Habermas' Diskursethik auf sich hat.
Erinnerung: Morgen, Donnerstag 18. Juni, 19 Uhr präsentiere ich mein Buch "Politik der Paranoia" in Graz. Keplerkeller, Stempfergasse 6
See You, hoffentlich!
Morgen, Donnerstag, 18. Juni wird Jürgen Habermas, der berühmteste lebende Philosoph, 80 Jahre alt. www.misik.at präsentiert die härtesten Debatten, die schärfsten Theorien, die bittersten Feindschaften und die prägnantesten Slogans von Mr. Weltgeist.
Kommenden Montag, 22. Juni habe ich Heiner Flassbeck, Deutschlands-Paradekeynesianer, zu Gast in meiner Reihe "Genial dagegen" im Kreisky-Forum. Für den "Falter" habe ich mit Flassbeck schon einmal vorab ein Interview geführt. Darin sagt er: Wenn Banken hohe Renditen versprechen, sollte man sofort die Finanzmarktaufsicht rufen.
Heiner Flassbeck: „Gescheitert. Wie uns der Marktfundamentalismus eine Weltwirtschaftskrise einbrockte."
Montag, 22. Juni 2009, 19 Uhr, Kreisky-Forum für Internationalen Dialog, Armbrustergasse 15, 1190 Wien
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Lesen Sie unten das gesamte Interview
Wer mein "Das Kultbuch" noch nicht hat, der hat seit heute die Möglichkeit, die preisgünstige Taschenbuchvariante zu erstehen. Die hat praktischerweise auch einen neuen Titel: "Alles Ware!" Als Appetizer ein paar Ausschnitte aus Kritiken:
"Misik stellt die entscheidenden Fragen (...) Er möchte die Korrektur unseres Blickes erreichen (...) lesenswert" Wochenzeitung "Das Parlament"
"Handreichungen zur Analyse der Gegenwart" Wolfgang Ritschl, Radio Ö1.
"Brillant" Tagesanzeiger (Schweiz).
"Menschen haben eine Vorstellung von ihrem Ich, und Marken und Güter können helfen, das zu modellieren." Ich shoppe, also bin ich. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
"Ein ausgebuffter Dialektiker" Literarischer Salon, Hannover.
"Misik analysiert die wechselseitige Durchdringung von Ökonomie und Kultur ... ein breites Feld, das Misik gründlich durchpflügt." Michael Freund, Der Standard, Wien
"Ein kluges Buch" Die Presse, Wien
"Misik vereint altlinke Kritik und popkluge Moderne... so gut " Zündfunk, Bayrischer Rundfunk.
"Der affirmative Ton ... befremdet" Falter, Wien
"Schwerwiegend ... handfest ... anschaulich " Martin Blumenau, FM-4.
"Absolut empfehlenswert" Fritz Ostermayer, Im Sumpf, FM-4.
"Kritisch sein können viele, die richtigen Perspektiven finden die Wenigsten. Misik tut es." Progress.
"Ausgesprochen erhellend." Märkische Allgemeine Zeitung.
"Ein lesenswertes Buch!" Vorwärts.
"Misik erreicht sein Vorhaben gewohnt souverän". Neues Deutschland.
"Robert Misik liefert, wie er in der Einleitung verspricht: Kulturkritik, aber richtig! ... Auf hohem Niveau ... gute, alte Aufklärung!" Deutschlandradio.
"Kenntnisreich" The Gap.
WIEN: Mittwoch, 17. Juni, 22.30 Uhr diskutiere ich in der Roten Bar des Volkstheaters mit Konrad Paul Liessmann, Erhard Busek, Andrea Händler ua. unter der Leitung von Felix de Mendelssohn über den "Sinn des Lebens".
GRAZ: Donnerstag, 18. Juni, 19 Uhr präsentiere ich mein Buch "Politik der Paranoia" in Graz. Kepplerkeller, Sempfergasse 6
WIEN: Montag, 22. Juni, 19 Uhr habe ich im Kreisky-Forum in Wien Heiner Flassbeck zu Gast. Der deutsche Ex-Finanzstaatssekretär spricht zum Thema GESCHEITERT. WIE UNS DER MARKTFUNDAMENTALISMUS EINE WELTWIRTSCHAFTSKRISE EINBROCKTE. Armbrustergasse 15, 1190 Wien
Bei der EU-Wahl blieben die Freiheitlichen nach einem Verhetzungswahlkampf unter den Erwartungen. Eine Analyse für die Heinrich-Böll-Stiftung, 9. Juni 2009
Ist die Sozialdemokratie ein Auslaufmodell? Drei Gründe für den Absturz der europäischen Linken bei den EU-Wahlen. taz & Standard, 9. Juni 2009
Was die "Presse" da berichtet, könnte sich noch zu einem Skandal auswachsen: Die Industriellenvereinigung will keine Gelder für das Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO locker machen, die Raiffeisen hat ihre Zahlungen schon eingestellt. Und zwar, weil am WIFO Wissenschaftler arbeiten, die offenbar politisch unliebsame Vorschläge machen, wie die "Presse" schreibt:
"Vor allem die prononciert „roten" Wifo-Experten Margit Schratzenstaller, Stephan Schulmeister und Markus Marterbauer würden sich in der Öffentlichkeit ständig zu Wort melden - mit politisch eindeutigen Botschaften."
Vor allem im Fall der Raiffeisen ist das pikant: Musste die Raiffeisen ja mit einer Eigenkapitalspritze vom Staat über Wasser gehalten werden, und auch indirekt zahlt der Steuerzahler für das Finanzdesaster, das Rothensteiner & Co. angerichtet haben: Indem höhere Zinsen am Kapitalmarkt zu zahlen sind, weil Österreich als Staatspleitekandidat gilt. Dass gerade eine solche Bank, statt sich bei den Bürgern zu entschuldigen, Wissenschaftsinstitutionen erpresst, ist eigentlich unfassbar.
Man sollte sich überlegen, ob nicht ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss die offenkundig unvernünftigen High-Risk-Praktiken untersuchen sollte, die die Banker auf Kosten der Steuerzahler eingegangen sind.
Joseph A. Schumpter war ein großer Ökonom, ein schräger Typ, ein Gelehrter von Weltruhm, der stets am Rande des Scheiterns war. Thomas K. McCraw hat eine packende Biographie geschrieben. Falter, 3. Juni 2009






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