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Milo Rau macht der Weltwoche den Prozess - im Theater. „Die Zürcher Prozesse" nehmen die Debatte um die umstrittenste Zeitschrift der Schweizer Pressegeschichte zum Anlass, die Akteure einer polarisierten Gesellschaft auf die Bühne zu bringen. Eine Comédie humaine der Schweiz, ein Rückblick auf zwei Jahrzehnte gesellschaftlicher Auseinandersetzungen - denn letztlich wird dieser Prozess ja schon seit Jahren ausgefochten. Es steht Grundrecht gegen Grundrecht, die Pressefreiheit gegen den Schutz von Minderheiten in einer direkten Demokratie und einem föderalistischen Staat wie der Schweiz.
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Europas Tragödie besteht nicht darin, dass Konservative und Neoliberale eine konservative und neoliberale Politik betreiben. Europas Tragödie besteht darin, dass das weitgehend oppositionslos passiert, aus Mangel an Entschiedenheit, Mut und Selbstbewußtsein der vernünftigen Kräfte. Aus Furcht vor der eigenen Courage. Aus Angst, man käme damit bei den Bürgern nicht durch. Man ist paralysiert vor lauter Furcht und Kleinmut. Wie so oft setzt sich der größte Blödsinn nicht wegen der Macht des Blödsinnigen durch, sondern wegen der Angst und dem Kleinmut derer, die es eigentlich besser wissen - oder besser wissen sollten.
From My Archives: Eine Kolumne, die ich Profil geschrieben habe, 24. Juni 1996
Wer erinnert sich noch an Erich Honecker? Der sprach, drei Wochen vor seinem Sturz, einen denkwürdigen Satz: "Den Sozialismus in seinem Lauf / hält weder Ochs noch Esel auf." Man hielt das damals für den originellen Reim eines greisen Staatsmanns, der seine Felle davonschwimmen sah. War das ein Irrtum? Darauf deutet ein bemerkenswertes Dokument hin, das dieser Tage in der Berliner Zeitschrift "Das Argument" erschien und drängend eine Frage aufwirft: Welche Rolle spielt das Huftier in der Weltrevolution?
Bislang war dieses Thema ja kaum behandelt worden, und wenn, dann in eher allegorischer Art, wie etwa durch George Orwell in seiner "Animal Farm". Doch nun kam der denkwürdige Brief der Revolutionärin Rosa Luxemburg ans Licht, die 1917 im Frauengefängnis zu Breslau inhaftiert war und dort einem als Nutztier eingesetzten Büffel begegnete, dem seine Haut, zerrissen von den Peitscheinhieben seiner Häscher, vom Rücken hing. Rosa Luxemburg berichtet über diese Untat in einem Brief an eine Genossin: "O mein armer Büffel, mein armer, geliebter Bruder, wir stehen hier beide so ohnmächtig und stumpf und sind nur eins im Schmerz, in Ohnmacht, in Sehnsucht; der Soldat aber steckte beide Hände in die Hosentaschen, spazierte mit großen Schritten über den Hof, lächelte und pfiff einen Gassenhauer."
Elf Jahre nach Pierre Bourdieus Tod veröffentlicht der Suhrkamp-Verlag ausgewählte Schriften zur Politik. Falter, Buchbeilage, März 2013
Als Pierre Bourdieu vor knapp elf Jahren starb, war er ein kämpferischer linker Intellektueller, der es in seinen letzten Lebensjahren verstand, Netze sozialer Protestgruppen zu etablieren, deren Fäden bis heute noch Bestand haben; darüber hinaus und vor allem war er aber der vielleicht einflussreichste Soziologe seiner Zeit. Begriffe und Konzepte, die Bourdieu in seiner jahrzehntelangen Arbeit entwickelte, sind beinahe zu geflügelten Worten geworden: Man denke nur an Konzepte wie "soziales Kapital" oder "kulturelles Kapital", "Distinktionsgewinn" oder "Habitus", alles Begriffe, die heute in Proseminaren oder in Feuilletons auch von Leuten benutzt werden, die von Bourdieu noch nie eine Zeile gelesen haben.
Aber gerade diese Wirkmächtigkeit ließ Bourdieu auch schnell in Vergessenheit geraten. An einem, der zwischen den sechziger und den neunziger Jahren die Debatten seines Fachs und die linken Diskurse prägte, schien es ja nichts mehr zu entdecken zu geben. Bourdieu war schon zu Lebzeiten derart rezipiert, dass für posthume Entdeckungen schlicht nichts übrig geblieben schien.
Der Freitag, 28. März 2013
Wir haben einen neuen Papst und der sieht eigentlich ganz freundlich aus. Als "Bischof der Armen" hat er sich zu Hause inszeniert, und er achtet auch sehr auf sympathische Public-Relations: Er fährt mit der U-Bahn durch Buenos Aires, wie jeder kleine Arbeiter, und sorgt dafür, dass davon dann auch Fotos in der Zeitung erscheinen. Und nachdem er zum Papst gewählt wurde, ließ er die Limousine stehen und fuhr mit den anderen Kardinälen im Bus zurück ins Hotel.
Solch ostentativer Verzicht auf Prunksucht und Privilegien aller Art ist an sich ja einmal sympathisch. Klar, es ist nur Symbolisches, aber Symbolisches ist eben auch wichtig. Ist ja okay der Kerl, könnte man also sagen. Als Kardinal hat er in einer kleinen Wohnung gewohnt und selbst gekocht.
Nun könnte man natürlich sagen, als aufgeklärter Linker kann man einem Papst nicht positiv, ja nicht einmal indifferent gegenüber stehen: Päpste sind schließlich gewissermaßen die Vorstandsvorsitzenden eine irrationalen Organisation, die den gesellschaftlichen und kulturellen Fortschritt immer verhindert hat und auch heute noch ein Bollwerk des Obskurantismus ist. Dass wir heute in fortschrittlich denkenden Kreisen eine gewisse Nachsicht gegenüber einer solchen Organisation hegen, ist weniger Ausdruck aufgeklärter Nüchternheit, sondern mehr von Lahmheit. Andererseits wissen wir natürlich auch: Ein mächtiges Bollwerk des Obskurantismus war die Kirche, solange sie mächtig war. Heute ist sie das nicht mehr. Heute ist sie eine Stimme in einem vielstimmigen Chor. Heute ist sie eher so etwas wie eine Insel des Obskurantismus in einer rationalen Welt, so dass manche Leute das Gefühl haben, so ein wenig Obskurantismus solle doch bitte schön unter Naturschutz gestellt werden.
Der Neoliberalismus hat uns eine gefährliche Finanzkrise eingebrockt, immer mehr Menschen stehen unter ökonomischem Stress. Die Ungleichheit wächst. Und immer mehr Menschen haben das Gefühl, dass man daran eigentlich nichts ändernkann. PolitikerInnen und Parteien trauen sie große Reformen nicht mehr zu. Und die Politik traut sich selbst nichts zu, verlegt sich auf' Taktieren und engagiert Spin-Doctoren, die sich Slogans ausdenken.Heißt das, dass progressive Reformpolitik heute einfach nicht mehr möglich ist? Nein. Wir brauchen eine neue Sprache in der Politik. Wir brauchen neue Politikformen, die breite Bündnisse von Parteien und BürgerInnen möglich machen. Und wir brauchen realistische Ideen für eine neue progressive Reformbewegung.Nach seiner erfolgreichen Vortragsreihe „Erklär mir die Finanzkrise" überlegt Robert Misik Auswege aus der Frust- und Wutbürger-Sackgasse.Begrüßung zum Auftakt der Veranstaltungsreihedurch Mario Rieder (Geschäftsführer der VHS Wien)Mittwoch, 3. AprilEUER ZYNISMUS KOTZT MICH AN! UND MEINER AUCH!Bürgerfrust und Parteipolitik in der Ära der PostdemokratieMittwoch, 10. AprilREDET SO, DASS EUCH DIE BÜRGER VERSTEHEN KÖNNEN!Eine neue Sprache für die Politik.Mittwoch, 17. AprilWILLKOMMEN IN DER MITMACHDEMOKRATIE!Parteien, Aktivismus und Zivilgesellschaft: Engagement in flexiblen NetzwerkenMittwoch, 24. AprilMÜSSEN NUR WOLLEN!Eine progressive Reformbewegung für das 21. Jahrhundert.Beginn der Vorträge: jeweils 19.00 Uhr; Eintritt freiDauer: ca. 1,5 Stunden inkl. FragemöglichkeitLudo-Hartmann-Platz 7, 1160 Wien
Die „gamblers an der Bourse", schrieb Karl Marx 1857 in einem Brief an seinen Freund Friedrich Engels, brachten „die Eisenbahnen to a deadlock". Und weiter: „Die ganze alte Scheiße ist im Arsch, und der bisher lächerlich- kühne Schwung, den der security market in England etc. genommen, wird auch ein Ende mit Schrecken nehmen". Dass die Kapitalisten, die sich ansonsten die Einmischung des Staates und jede sozialpolitische Maßnahme entschieden verbaten, „nun überall von den Regierungen , öffentliche Unterstützung' verlangen, (...) ist schön", amüsierte sich Marx. Damals, 1857, war gerade die erste moderne Weltwirtschaftskrise ausgebrochen.
Am 14. März 2013 jährt sich Marx' Todestag zum 130. Mal. Und wieder steckt die kapitalistische Marktwirtschaft in einer ganz ähnlichen Krise.
Der Journalist, Blogger und Buchautor Robert Misik wird aus diesem Anlass zwei seiner Bücher zusammen präsentieren:
Zum einen sein Buch "Marx für Eilige", das seit gut zehn Jahren als die Marx-Einführung schlechthin im deutschsprachigen Raum gilt.
Zum anderen sein Buch "Erklär' mir die Finanzkrise", das dieser Tage im Wiener Picus-Verlag erscheint. Darin analysiert der Autor in gemeinverständlicher Sprache, was da eigentlich geschehen ist: Wie uns eine falsche Wirtschaftsideologie eine fatale Krise eingebrockt hat. Und er gibt Antworten auf eine Reihe von Fragen: Warum werden auf freien Gütermärkten oft großartige Waren produziert, auf freien Kapitalmärkten aber Ungleichheit und brandgefährliche Instabilität? Weshalb ist gerade die Europäische Union zum Brandherd der Wirtschaftskrise geworden? Warum steigen die Mieten? Wieso verdienen die Unternehmen besser, wenn die Löhne steigen? Würden es noch freiere Märkte schon richten? Kann der Kapitalismus überhaupt funktionieren? Und was würde geschehen, wenn es zum totalen Kollaps des Geldsystems käme?





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