Februar 2007 Archives

Hohle Flächen

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Ein hippes Stilbrevier für coole Erfolgsmenschen und flotte Bobos hätte Vanity Fair werden sollen. Nach drei Nummern ist die Zielgruppe enttäuscht. Die ist freilich die unmöglichste Zielgruppe, die es gibt. Falter, 28. Februar 07

Man kann natürlich sagen, die deutschsprachige Vanity Fair ist bloß ein neues buntes Blatt aus der Vogue- oder Park-Avanue-Klasse. Mit dem Neunziger-Jahr-Deutschstar Til Schweiger, mit Gisele Bündchen (Grasser gab’s nur als Österreich-Mutation), mit der Hurley am Cover, mit Party-Talk und altbacken freigestellten Bilderchen von Halbprominenten. Möglicherweise ein Geschäftserfolg, aber sonst nicht der Rede wert.

The Old Man and the Blog

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Wie nicht anders zu erwarten, lässt Henryk Broder meine kleine Reportage von seiner Rangelei mit Friedman nicht auf sich sitzen. Er "antwortet" heute auf seiner Homepage. Ist aber, leider, nicht mal lustig geworden. Früher hatte Broder ja noch Witz. Ohnehin hege ich schon seit längerem den Verdacht, dass Broders zunehmende Durchgeknalltheit etwas mit der Unfähigkeit mancher alter Männer zu tun hat, in Würde durch ihre fortgeschrittenen Lebensjahrzehnte zu gehen.

Übrigens: Broders neuen Freund, Bischof Andreas Laun, den er gegen den Vorwurf "Christenayatollah" in Schutz nimmt, kann man hier erleben.

Ein Käfig voller Narren

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Wie Henryk M. Broder in Wien beinahe verhaftet wurde taz, 27. Februar 07

 

Dem ausklingenden Fasching entsprechend endete der Wienbesuch von Henryk M. Broder, der vergangene Woche auf Einladung der konservativen Volkspartei sein kleines antiislamisches Pamphlet „Hurra, wir kapitulieren“ vorstellte. Der Höhepunkt von Broders Visite war erreicht, als er Moische Arie Friedman auf der Straße erblickte. Letzterer, selbsternannter „Oberrabbiner“ einer antizionistischen Gemeinde ist nämlich, wie man wissen muss, noch eine Spur durchgeknallter als Broder: So war Friedman Ehrengast bei der Teheraner „Holocaust“-Konferenz – i.e. Holocaust-Leugner-Konferenz -, wo er freundlich mit Präsident Mahmud Ahmadineschad konferierte. Broder, der wiederum fürchtet, die Moslems würden demnächst überall, vor allem aber in „Eurabia“, die Macht übernehmen, sprang also auf Friedman zu, bellte ihn an und versuchte ihn mit dem Fotohandy zu fotografieren.

Minister`s Blog

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Politikerblogs sind ja, sagt man, sehr im Kommen. Theoretisch. Praktisch ist noch nicht gar viel los in unseren Breiten. Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel stellt immerhin ein wöchentliches Videocast ins Netz, ziemlich avanciert ist der Wahlkampf in Frankreich: Da arbeitet vor allem Kandidatin Ségolène Royal viel mit umfangreichen Videoblogs. Neuerdings im Netz: Sozialminister Erwin Buchinger hat jetzt seinen eigenen Weblog.  Der Mann ist nicht nur einer der Aktivposten, sondern auch technologische das avancierteste Regierungsmitglied. Allerdings: Ein wenig üben muss er noch: Bisher lesen sich die durchaus umfangreichen Einträge eher wie ein durchgeschriebener Terminkalender. Man erfährt: Der Mann hat viel zu tun und schläft praktisch nie. Ansonsten: Eher wenig. Wird aber bestimmt noch.

Forever RAF?

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Die Geschichte der „Roten Armee Fraktion“ ist längst zu einem undurchdringlichen Dickicht von Mythen geworden. Die Freilassung Brigitte Mohnhaupts zeigt, dass sich der Rechtsstaat davon nicht beeindrucken lässt. Falter, 20. Februar 2006

Folterepidemie am Nil

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In Ägypten wird seit Jahren systematisch gefoltert. Videos von Misshandlungen, von einem mutigen Blogger verbreitet, stoßen nun eine kritische Debatte an.

profil, 19. 2. 2007

 

"Sternstunden Philosophie"

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Vergangenes Jahr hat mich die Redaktion der wunderbaren Schweizer TV-Reihe "Sternstunden Philopsophie" zu einem einstündigen Fernsehgespräch nach Zürich geladen. Dieses Gespräch ist (wie ich leider erst jetzt feststelle) auch online zu sehen. Link: "Kann man noch links sein?" Ob's 'ne Sternstunde der Philosophie war, ist natürlich zur Berurteilung dem p.t. Publikum überlassen... ;-)

Ganz sicher aber ist die "Sternstunden"-Reihe das beste Talk-Format, das es im deutschen Sprachraum noch gibt.

"Großer Schädling“

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Adam Michnik, der legendäre polnische Dissident, der seine Gegnerschaft zum KP-Regime mit jahrelangem Gefängnis büßte, soll nun offenbar vom Thron gestoßen werden. Seit Wochen ist Michnik Ziel wüster Angriffe rechtskonservativer Kreise. So attackierte der Premierminister Jaroslaw Kaczynski, der Bruder von Präsident Lech Kaczynski, Michnik als „großen Schädling“. Der Hintergrund: Michnik war für die demokratische Opposition 1989 am Runden Tisch gesessen, der die friedliche Machtgabe durch die Kommunisten verhandelte. Michnik hatte sich damals und auch in den Jahren danach für eine „nationale Versöhnung“ ausgesprochen und gegen eine Abrechnung mit den Kommunisten. Dieser Linie blieb Michnik bis zuletzt treu, was die Konservativen umso mehr erbost, als Michnik als Gründer und Chefredakteur der führenden polnischen Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“ über erhebliche publizistische Macht verfügt.  profil, 19. Februar '07

Wir 81er

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Habe auf Martin Blumenaus FM-4-Blog gerade eine schöne Burggarten-Geschichte gefunden. Darin schreibt er beispielsweise, dass er bei der Burggartenbewegung 80/81 "eine der zentralen Lektionen jugendlicher Subversion gelernt" habe. Der Beitrag ist sehr schön, fast ergreifend. Irgendwie hatten die jahre 80/81 - übrigens nicht nur in Wien - einen seltsamenen Drive, möglicherweise mehr noch als 67/68, nur dass darüber keine Geschichtsschreibung betrieben wird: Hausbesetzungen, Jugendbewegung, Züri brennt, Kreuzberg... Ganz ganz viele Leute, die heute da oder dort wichtige Rollen spielen oder bedeutende Beiträge zur Lebedigkeit ihrer Städte leisten, wurden in diesen Jahren geprägt. Aber dies erscheint, weil darüber nicht soviel Aufhebens gemacht wird wie um 68, nicht als kollektive Prägung, sondern immer als individuelle Geschichte. Ich möchte dazu demnächst etwas Größeres für ein Buch über die 80er Jahre machen, das zwei Freunde von mir rausbringen. Wenn mir der eine oder die andere BesucherIn dieses Blogs per Comment oder Mail (robert.misik@hotmail.com) helfen will, dann würde mich das sehr freuen.

Denn irgendwie habe ich das Gefühl, "unsere" Generation sollte auch beginnen, ein wenig an ihrer Autobiographie zu schreiben.

Atheism Now! (5)

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Dass mit der wachsenden Beliebtheit der These von der “Rückkehr der Religionen” auch die Religionskritik zurückkehrt - und das gelegentlich auf eigentümliche, ja amüsante Weise - darauf habe ich hier ja schon mehrmals hingewiesen (worauf ich in loser Folge auch immer wieder zurückkommen will). Ihre Hochbülte hat der “New Atheism”, ebenso wie der christliche Fundamentalismus, natürlich in den USA. Aber auch in unseren Breiten finden sich vermehrt Fundstücke einer Publizistik, die den Freunden von Good old Rauschebart an den Karren fährt. Zuletzt in einem lesenswerten Beitrag von Burkhard Müller im “Merkur“, der sich in die schöne Tradition der Gottesbeweise und Anti-Gottesbeweise einschreibt. In einer hübschen Passage heißt es:

"Organe ohne Grenzen"

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Ein Beitrag für den WDR über den weltweiten Handel mit menschlichen Organen. Zu hören hier 

Debatte. Kommenden Dienstag, 13. Februar, habe ich in meiner Reihe "Genial dagegen" im Kreisky-Forum die Frankfurter Sozialphilosophin Rahel Jaeggi zu Gast. Sie wird über das Thema sprechen: "Was ist Entfremdung? Und was kann man dagegen tun?" Vorab habe ich mit ihr schon einmal ein Interview für den "Falter" geführt.

Veranstaltung: 13. Februar 2007 | 19.00 Uhr. Bruno Kreisky Forum, Armbrustergasse 15 | 1190 Wien

„Wie bei Al Capone“

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Großbritannien. Der Parteispenden-Skandal könnte Tony Blairs Gnadenfrist jäh verkürzen. Der einstige Strahlemann hat den Moment für einen Abgang in Ehren verpasst. profil, 11. Februar 2007

Abgründe des Bobotums

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Wegen überraschend großer Nachfrage prolongiert: Ein Feuilleton zum "Poschardtismus", diesmal für die Sendung "Der Tag" des Hessischen Rundfunk.

Härte ins Leben

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Zum Erscheinen der neuen Vanity Fair. Ulf Poschardt ist der Stichwortgeber zeitgeistigen Bobospießertums. Mal sehen, ob er sich mit Vanity Fair ein Zentralorgan des Ego-Existenzialismus gebastelt hat. taz. 7. Februar 2007

 

„Total desorientiert“

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Frankreich. Turbulenzen im Präsidentschaftwahlkampf: Linkskandidatin Ségolène Royal lässt kaum ein Fettnäpfchen aus, Rivale Nicolas Sarkozy macht ein Spitzelskandal zu schaffen. profil, 5. Februar 2007

 

José BovéJosé Bové, der französische Bauernführer und Altermondialist, hat heute seine Kandidatur zur Präsidentschaft erklärt. Ein recht eigenwilliger Typ - um das mal nobel auszudrücken. Vor zwei Jahren habe ich ein Interview mit ihm geführt, in dem es eine, naja, sprechende Passage gibt:

Sie haben gesagt, der Mossad führt antisemitische Anschläge in Frankreich vielleicht selbst aus. Seither haben Sie die zweifelhafte Ehre, als linker Antisemit zu gelten. 

Ich habe das nicht so gesagt. Ich habe gesagt, dass so etwas in den fünfziger Jahre vorgekommen ist. Darum sollen wir sehr vorsichtig sein, vorschnell irgend jemanden die Verantwortung für antisemitische Akte zuzuschieben. Es war ein Fehler, das in einem Moment zu sagen, in dem sich jüdische Menschen wirklich gefürchtet haben. (Fortsetzung unten)



Robert Misik
robert@misik.at

Journalist & Sachbuchautor
Lebt & arbeitet in Wien
Alles über Misik

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Ich betreibe dieses Blog seit einigen Jahren und ohne allzu intensiver Arbeit ist er zu einem der meistgelesenen nichtkommerziellen Online-Formate in Österreich geworden. Deshalb will ich es in den nächsten Monaten mit etwas mehr Engagement hochpimpen, um es zu dem führenden progressiven Weblog Österreichs zu machen.

Deswegen wende ich mich mit der simplen Frage an Sie, ob Ihnen dieses Blog etwas wert ist. Die Sache ist ziemlich einfach: Je mehr Leute bereit sind, dafür ein bisschen zu spenden, umso besser wird das Ding. Daueraufträge bringen Planungssicherheit. Für Ihre Beiträge habe ich ein eigenes Konto eingerichtet:

Robert Misik
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Bankleitzahl: 12000
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Ich danke Ihnen schon einmal für Ihr Engagement und hoffe, Sie sehen die Sache so wie ich: Sudern reicht nicht! Let's do it!

Herzlich,

Ihr

Robert Misik

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