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FS Misik Folge 144

Jetzt ist ja die letzte Ferienwoche. Und was sagen da so ca. 1.143.000 Schüler? Mist, jetzt geht die Scheiß-Schule wieder an, sagen die. Da entgegnen natürlich so betuliche Fortysomethings wie ich: Aber nein, Kind, sei doch froh, dass Du etwas lernst, das ist nicht nur wichtig, dass was wird aus Dir, sondern auch damit Du Deine Persönlichkeit entwickelst. Und die Schule ist auch wichtig für die Gerechtigkeit, weil gute Schulen geben allen eine Chance, und wenn es die nicht gäbe, dann würden die die Unten sind, unten bleiben. Also, ist doch super, wie das rennt bei uns und dass das alles so gut funktioniert und die Lehrer, die sind auch in der allergrößten Mehrzahl großartige, engagierte Leute, also prima. Naja, und das stimmt schon irgendwie, aber auch irgendwie auch nicht. Heutzutage wird oft die Ökonomisierung der Bildung beklagt. Aber gegen eine bestimmte Form von Ökonomisierung von Bildung hätte ich ja gar nichts einzuwenden. Nur, gerade da, wo man sie bräuchte, da sperren sich alle dagegen. Nämlich die Bildung, die es bräuchte, um die Chancenlosen, die sonst übrig bleiben, ertüchtigt, damit sie wirtschaftlich mal auf eigenen Beinen stehen, damit sie auch was aus ihrem Leben machen können. Aber stattdessen leisten wir uns, dass wir von jeder Generation sieben, acht Prozent ohne Ausbildung auf den Arbeitsmarkt schicken. Das ist ungerecht, ein Skandal, vor allem aber völlig unökonomisch. Da täte ich mir eine Ökonomisierung des Bildungssystems richtig wünschen. Aber an dieser Aufgabe scheitert unser Bildungssystem seit Jahren.

Wie dumm ist der "kleine Mann"?

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YouTube Directlink: http://www.youtube.com/watch?v=3uzn0QpRrVo


Niemand verachtet die einfachen Leute mehr als ihre vorgeblichen Fürsprecher. FS Misik Folge 143

Es gibt da ja dieses Muster, das Boulevard-Macher und Rechtspopulisten vereint: Dass die Linken und Liberalen elitär seien. Dass die runter schauen auf den kleinen Mann. Wir dagegen, so sehen das die selbsternannten Fürsprecher der einfachen Bürger, wir haben ein Ohr am Volk, wir haben ein Herz für die. Aber das ist natürlich quatsch. Denn nirgendwo findet man mehr Zynismus, mehr Verachtung, mehr Herablassung, mehr Respektlosigkeit und auch mehr an der feixender Freude über die Manipulierbarkeit des Durchschnittsbürgers als in Boulevardredaktionen.

Sind die Linken Berufs-Nörgler?

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FS Misik Folge 142

Die "professionelle Linke", das sind Berufs-Querulanten meinte Obama-Sprecher Robert Gibbs. Michael Moore erwiderte darauf: Das wär doch das erste Mal, dass etwas bei den Linken professionell sei. Aber Spaß beiseite. Es ist dies ein ewig wiederkehrendes Muster: Politiker sind auf das minimal Machbare orientiert, wollen rausholen, was rauszuholen ist. Und dann gibt es diese ständigen Kritiker, die siebte Reihe fußfrei sitzen und alles schlecht machen. So Leute wie ich etwa. Aber man kann diese Geschichte auch anders erzählen: Die Politiker, die sich in den Zwängen und der Pragmatik des Machbaren bei jeder Gelegenheit verlieren, ziehen sich selber eine Zwangsjacke an. Weil die Bürger das Kleinliche der Politik abstößt. Wer hat also recht?

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FS Misik Folge 141

BUWOG-Skandal, die Grasser-Meischberger-Plech-Hochegger-Connection, undurchsichtige Geldflüsse, dazu noch die Eurofighter-Affäre und jetzt auch noch die mutmaßlichen Haider-Konten inklusive Saddam-Millionen. Da kann man eigentlich nur mit den Worten von Tagebuch-Autor Meischberger sagen: "Unglaublich! Unglaublich, was so alles passiert." Übrigens: Wer so schön Tagebuch schreiben kann, bei dem freu ich mich richtig schon auf seine Gefängnistagebücher. Aber waren das alles nur Drehs von ein paar Freunderln? Und Kanzler Schüssel, der dem vorsaß, hat davon nichts mitgekriegt? Und als er den Grasser in seine Partei rüberholte, tat er das nur, weil der so gut im Fernsehen reden kann? Oder kam da hinzu, dass der ein Netzwerk gespannt hat, dass der eine Zentralfigur in einem politisch-ökonomischen Komplex geworden ist? Also, die Schlüsselfrage, ha, die Schüsselfrage ist: War die schwarz-blaue Regierung, die uns ab dem Jahr 2000 regiert hat, gewissermaßen eine kriminelle Vereinigung? Ist die nicht schön langsam ein Fall für den Mafia-Paragraphen 278a? Die „Presse" jedenfalls, die ja unverdächtig ist, der schwarz-blauen Regierung nachträglich ans Zeug flicken zu wollen, nennt die vergangenen zehn Jahre schon „das mit Sicherheit korrupteste Jahrzehnt der Zweiten Republik".

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Österreich ist mit seiner Steuer- und Abgabenquote von 43 Prozent „schon jetzt nahe an moderner Sklaverei", sagte unlängst der große Weltökonom und -philosoph Karlheinz Kopf, im Brotberuf Klubobmann der ÖVP. Moderne Sklaverei. Ein großes, hartes Wort. Aber angemessen. Schließlich heißt Steuernzahlen ja, dass ich für einen anderen arbeiten muss. Also, ca. die Hälfte von einer Stunde leiste ich Sklavenarbeit. Und das Geld sackt sich ein anderer ein. Irgendeiner, der vom Steuergeld lebt. Nennen wir ihn der Einfachheit halber Karlheinz Kopf. Aber der Herr Kopf sollte für unser gutes Geld doch etwas mehr Systematik in seine Argumentation bringen. 43 Prozent Steuer- und Abgabenquote, das ist „nahe an moderner Sklaverei". Wo fängt denn dann die moderne Sklaverei an? Bei 46 Prozent? Ja, warum denn nicht bei 26 Prozent? Gibt's denn da keine objektivierbaren Kriterien?

Ich bin ein Sklave des Internets!

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Nur eines ist schlimmer als Online sein: Offline sein! FS Misik Folge 139

Wir sind alle dauernd online, und das zerfasert unser Leben. Und sehr viele klagen gelegentlich darüber. Aber nur kurz. Dann schauen sie in ihr E-Mail-Postfach, damit sie nichts versäumen. Aber der Traum vom Offline sein, vom guten Buch, das man ungestört liest, ohne zwischendurch durch dies und das abgelenkt zu sein, dieser Traum ist das Next Big Thing, das kann man jetzt schon sagen. Muss man nur die Verlagsprospekte durchlesen. „Ohne Netz: Mein halbes Jahr offline", heißt das Buch, das der SZ-Redakteur Alex Rühle demnächst rausbringt. „Ich bin dann man Offline. Ein Selbstversuch", von Christoph Koch ist grad eben rausgekommen. Beide kann man schon ganz leicht bestellen. Im Internet! Und am amerikanischen Buchmarkt stapeln sich ohnehin schon die Wälzer, in denen beschrieben wird, wie furchbar das Internet ist, wie es uns immer dümmer macht, wie es unser Gehirn in Unordnung bringt, indem es unsere Synapsen zu einem wirren Knäuel verstrickt. Und ich geb zu: Mich macht das Internet auch nervös. Am meisten nervös macht es mich, wenn es nicht funktioniert

Die krause Logik der Klimawandel-Skeptiker

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YouTube Directlink: http://www.youtube.com/watch?v=X_noOa8TIzk


Was mich immer wieder aufs Neue erstaunt ist die Korrelation politischer Haltungen, die eigentlich am ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Da gibt's ja die hübschesten Sträuße an Meinungen: Leute, die finden, dass die Wirtschaft am besten funktioniert, wenn Märkte total ungeregelt sind und sich die Regierungen nicht einmischen, die finden meist auch, dass man Immigranten ohne viel Federlesens abschieben soll, die glauben fast immer, dass die Moslems die größte Bedrohung für unsere Zivilisation sind. Und die glauben oft auch, dass es keine Klimakrise gibt, dass der Klimawandel eine Erfindung ist und dass alle Studien, die eine durch Menschen, durch Industrie, Landwirtschaft, Autosabgase hervorgerufene Erderwärmung nachweisen, eine Erfindung von bösen Wissenschaftlern, ruchlosen Politikern und ökoalarmistischen Medien darstellen. Aber wieso eigentlich? Was hat die Erderwärmung mit den Moslems zu tun? Und was hat all das mit den Märkten zu tun? Gibt es da eine Logik?

Bettler vertreiben! Deutsch sprechen!

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FS Misik Folge 137

Gebt's nix an Bettler! - so läßt sich die neue Kampagne der Stadt Wien und der Wirtschaftskammer zusammenfassen. Das haben wir gebraucht: Eine Schule der Kaltherzigkeit. Keine Almosen für Arme, sonst kommen noch mehr! Haltet den Blick starr gerade, dann seht Ihr das Elend vor Euren Füssen nicht! Klar, die Menschen kümmern sich ja viel zu sehr um die Geschicke ihrer Mitbürger, das muss man ihnen abgewöhnen. Wahlkampf ist in Wien, und der wird immer mehr zur Deppenkonkurrenz. Besonders lustig: die ÖVP. Die stellt einen Schwimmer auf, der, obzwar selber Jugo, fürs Abschieben von Arigona Zogaj ist und außerdem sagt, mit der ÖVP ist es wie im Sport: Bei beiden zählt nur die Leistung. Da müssen wir spontan an Karl-Heinz Grasser denken. Am Besten sind aber die ÖVP-Plakate, die fordern, über Bildung solle nur mehr auf deutsch gesprochen werden. Bravo! Wenns nach der ÖVP geht, werden Englisch-, Französisch-, Latein- und Altgriechisch-Unterricht demnächst abgeschafft. Braucht eh keiner, so fremdländisches Zeug.

Links und trotzdem blöd

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FS Misik Folge 136

Das ist natürlich einfach, schrieb mir unlängst ein Poster, dauernd über die doofen Rechten witzeln. Über den Strache, den Graf, die Fekter, den Fleischhacker, den Unterberger. Über die lacht ja jeder, das ist doch keine Kunst. Aber gibts nicht auch genug Lächerlichkeiten bei Linken, Ökos oder sonstigen Progressiven? Aber sicher. Links und deppert, das ist ganz einfach. Da gibt es diese Leute mit einem Hang zum wortstarken Empörtsein, der indirekt proportional zur Fähigkeit ist, komplexere Zusammenhänge zu verstehen. Oder den Hang zur Streitsucht. Nicht dass ich glaube, dass Linke streitsüchtiger als andere Leute wären. Ich glaube es ist eher so: Verhaltensoriginelle, streitsüchtige Nervensägen, die - wären sie völlig unpolitisch - verhaltensoriginelle, streitsüchtige Nervensägen wären, mit denen niemand etwas zu tun haben will, deren Charaktereigenschaften erscheinen dann plötzlich respektabler, wenn sie sie politisch aufhübschen. Und ansonsten fällt mir da auch noch einiges ein. Eine FS-Misik Folge, die trotz leichter Überlänge keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann.


YouTube Directlink: http://www.youtube.com/watch?v=HWBAcOXdcAo


Die CEOs der großen Banken ziehen an allen Fäden und blockieren und zünden Nebelgranaten und malen Drohszenarios, was denn alles Schreckliches passieren könnte, wenn man den Finanzsektor streng regulieren würde. Und das mit Erfolg: Wieder einmal geht ein G-20-Gipfel ohne weitreichende Ergebnisse über die Bühne. Und in diesem Zusammenhang ist ein Dokument interessant, das vergangene Woche die Abgeordneten des Europaparlamentes verfasst haben. Die für die Regulierung der Finanzbranche zuständigen Parlamentarier haben einen regelrechten Hilferuf in die Welt geschickt. „Wir, die für die Regulierung der Finanzmärkte und des Bankgewerbes zuständigen Abgeordneten, stehen täglich unter dem Druck des Finanzsektors", klagen sie. Und weiter heißt es in dem fraktionsübergreifenden Appell: „Das Ungleichgewicht zwischen der Macht dieser Lobby und mangelnden Gegenexpertisen erscheint uns als Gefahr für die Demokratie." Wir rufen deshalb, schreiben sie weiter, „die Zivilgesellschaft auf, eine oder mehrere Nichtregierungsorganisationen zu bilden, um eine Gegenexpertise zu entwickeln." Unsere Abgeordneten rufen also uns zu Hilfe - gegen die Banker.


Robert Misik
robert@misik.at

Journalist & Sachbuchautor
Lebt & arbeitet in Wien
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