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Nach dem Schweizer "Nein" zu Minaretten liebäugeln auch hierzulande Zündler aller Art mit ostentativen Anti-Moslem-Massnahmen. Da wird der "politische Islam" beschworen - und es werden alarmistische Prognosen über den Zuwachs der muslimischen Bevölkerung in Umlauf gebracht. Dabei sollte doch einsichtig sein: Viele Zuwanderer flüchten sich gerade in ihre "islamische Identität", weil sie das Gefühl haben, dass man sie hier nicht will. Großmäuliger Antiislamismus löst dieses Problem nicht, es wird dadurch nur verschärft. Wer also will, dass den Muslimen irgendwann ihr Islam so egal wird, wie dem durchschnittlichen säkularen Österreicher sein Christentum, der muss ihnen das Gefühl geben, dass sie hier natürlich gleichberechtigt leben können - und gleichberechtigt ihre Religion ausüben dürfen. Das heißt für sie wie für andere: Jeder darf glauben, was er mag, solange er niemanden damit belästigt. Die Diskriminierung einer Religion ist ebenso der falsche Weg wie die Privilegierung EINER Religion.
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Naja ich hab auch Bedenken dass den Türken mit Ihrer extremen Denkweise da Vorschub geleistet wird (Kopftuch, Unterdrueckung der Frau)
Implizit sagst du ja, dass der Islam lieber verschwinden solle.
Die Muslime betrachtest du aber als unmündige Kinder oder ängstliche Rehe die, wenn man sie nicht Islam spielen lässt, böse Dinge über den Islam sagt oder gar Minarette verbietet, sich noch stärker dem Islam zuwenden würden. Der Islam ist für dich also sowas wie eine jugendliche Spinnerei, so wie Punk oder Komasaufen, dem die Muslime mit der Zeit schon überdrüssig würden.
Man kann hoffen, aber das sagte man allerdings schon anlässlich der islamischen Revolution im Iran Anfang der 80er.
Wie dem auch sei, betrachtest du die in deiner säkularen Sonntagsrede angesprochenen Einheimischen hingegen als mündige, "gutwillige Menschen", für die dein Appell "einsehbar sein" soll.
Nun vielleicht reagieren die Einheimischen auch so emotional wie die Muslime und reagieren eben auf Minarette oder sonstige Zeichen der Ausbreitung des Islam mit Trotz oder Ängstlichkeit.
Somit fruchtet deine Sonntagsrede, wie so viele, inklusive die der vereinten Schweizer Medienelite, eben nicht.
Hiermit hätten wir auch ein wesentliches Denkschema der postmarxistischen Linken entlarvt, in der der Westen als vernünftig und verantwortlich gesehen wird, die restliche Welt hingegen als planlos und blind auf den Westen reagierend.
"und wenn man gegen den fremdenhass ablehnt, muss man daher das recht auf minarette verteidigen"
Das ist nichts anderes als ein ad hominem Fehlschluss. Ein Minarettverbot oder den Wahrheitsgehalt der Behauptung, dass das Minarett ein Machtsymbol sei und als solches verstanden wird, muss man unabhängig davon betrachten, aus welchen Motivationen heraus diese Forderungen und Behauptungen aufgestellt werden.
Und das wäre das zweite Denkschema, mit dem sich speziell die Sozialdemokratie ihr eigenes Grab geschaufelt hat. In den 90ern und frühen 2000ern wurde gar noch geleugnet, dass es überhaupt Klassen mit hohem Ausländeranteil gibt und dass das Probleme im Spracherwerb mit sich bringt.
Ich kann mich daran erinnern, dass Kabarattisten abendfüllende Programme um die Behauptung gestalteten, dass Ausländer auf wundersame Weise gar besser Deutsch sprechen würden als die Einheimischen und dass man, wenn man Sprachtests einführte, gar die im Gegensatz zu den Ausländern ungebildeten und mit überschaubarer Sprachkompetenz ausgestatteten Rechten exilieren müsse.
Der Fremdenhass motiviert eben auch dazu, auf tatsächlich problematische Aspekte anderer Kulturen und Völker hinzuweisen, genauso wie du auf Inkompetenz, Heuchelei und unlautere Motive bei den Rechten, Schwarzen und Neoliberalen hinweist, so wie auch Andreas Unterberger in seiner tiefen Aversion gegen alles Rote ähnliche Zustände in der SPÖ aufdeckt.
Das letzte auffällige kontemporär-linke Denkschema ist jenes, dass du dir den Vergleich von Ländern verbittest. Während Linke gerne nonchalant und zutreffend darauf hinweisen, dass Grenzen lediglich soziale Konstrukte sind, wird der Nationalstaat gleichzeitig implizit als atomare, nicht permeable, abgeschlossene Einheit gesehen und gar personifiziert.
Die Politik der Türkei, wo keine Kirchen gebaut werden dürfen und die bestehenden Kirchen Ruinen der vertriebenen Christen sind, sowie die anderer islamischer Länder wird von Muslimen gemacht. Somit ist es völlig legitim die Muslime darauf hinzuweisen, dass sei einerseits Minarette bauen wollen und andererseits den Bau von Kirchen untersagen.
Das nunmehrige Minarettverbot in der Schweiz ist zum Teil auch eine klassische Reaktion nach Tit-for-Tat-Schema. Der Okzident reagiert hier auf den Orient, weil die Vorbild-Strategie eben, so scheint es jedenfalls, nichts bewirkt hat.
Sobald einmal ein scharfes Wort aus einem anderen Narrenkäfig laut wird, bricht auf der Stelle eine abgekartete Gruppendynamik los", kritisierte Sloterdijk weiter. Dabei gehe es zu, "als gelte es, einen Wettbewerb in Empörungsdarstellung zu gewinnen".