FS Misik Folge 61: Es lebe das Pathos!


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Obamas Amtseinführung und seine ersten Präsidententage - das waren Abfolgen pathetischer Momente. Ergreifend war es, als Bruce Springsteen und die Protestsonglegende Pete Seeger beim Konzert für Obama "This Land is my Land" sangen, diese alte Hymne der amerikanischen Linken. Freilich, heute hat das Pathos einen schlechten Ruf. Man rückt es in die Nähe falscher Gefühlsduselei. Und die pathetische Rede operiert mit vielfach beschädigten Vokabular. Wer kann heute von von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit sprechen ohne rot zu werden? Aber auch der Generalverdacht gegenüber dem Pathetischen ist allzu billig. Das postmoderne Subjekt hat sich eine ironsiche Haltung gegenüber allem antrainiert - von Zynismus ist das oft nur schwer zu unterscheiden. Zyniker haben die Welt noch nie verbessert. In diesem Sinne: Ein Hoch auf das Pathos!

 

 



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2 Comments


Bitte immer schön differenzieren :-) Ja, eine pauschale Ablehnung ist natürlich zu simpel. Aber deswegen jede Ablehnung des momentanen "Yes, we can!"-Gedusels als zynisch zu denunzieren, halte ich auch für unangebracht.

Und ein Befürworter der Todesstrafe ist eben ein Befürworter der Todesstrafe. Und nur weil B.O. jetzt den Mist korrigiert und eine "normale" Politik betreibt, ist er eben noch kein von mir zu Bejubelnder. Wo kämen wir da hin, wenn "normal" schon Anlaß zum Jubel böte ;-)

(Las gerade Auszug aus V. Woolfs Tagebuch: "Ich mag keines von den Gefühlen, die der Krieg hervorruft: Patriotismus; Gemeinschaft &c, lauter Sentimentalität & eine emotionale Parodie unserer wahren Gefühle." - S. Fischer Verlag, Übersetzung: Claudia Wenner)

Ja es war ganz ergreifend, den alten Pete Seeger zu sehen.

"Little Boxes" fungierte im Toddleralter bei mir als Kinderlied. Ich freilich ohne Ahnung darüber, dass es die Stadtrand-Idylle, in der wir lebten eigentlich zur Sau machte ;-)

Aber der Seeger- der überspannt Generationen. Angefangen hat er als Sänger schon vor dem 2. WK, als er mit den Lomax' zusammenarbeitete. Er tourte mit Woodie Guthrie. Er sah die Beats kommen und gehen. Civil Rights kam, und mündete in ein paar long hot summers. Er sah sein Folk zu einem großen Trend werden und dann Dylan & Co. in etwas andere musikalischen Gefilden weiterziehen - was er viel weniger argwöhnisch sah, als oft über ihn erzählt wird. Und fast vier teilweise recht spinnerten weiteren Jahrzehnte später, ist er noch immer bei uns. Und erlebt einen neuen Anlauf von Dingen, die zu Johnsons Zeit irgendwie trotz gutgemeinter Ansätze in Sackgassen geraten sind.

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