Fundstücke eines Alleslesers - die Blogkolumne Nr. 1
Im Unterschied zur frühen Kosmetikwerbung stellt die heutige die Selbstsorge des Konsumenten und der Konsumentin in den Mittelpunkt, zeigt Wolfgang Ullrich in seinem neuen Buch Habenwollen: "Ging es damals darum, dank einer Creme oder eines Deos anderen besser zu gefallen und peinliche Situationen zu vermeiden, steht mittlerweile die Selbstsorge der Konsumenten im Zentrum." Das zivilisatorische Minimum - beispielsweise: "nicht stinken" - wird, bei den Adressaten der Kosmetikwerbung zumindest, vorausgesetzt.
Heute geht es nicht darum, dass andere mit einem zufrieden sind, sondern dass das autonome Subjekt selbst mit sich zufrieden ist - wäre es außen- statt innengeleitet, könnte es sich gewissermaßen ja gar nicht als autonomes Subjekt verstehen. Sympomatisch die L'Oreal-Werbung: "Weil ich es mir wert bin."
Das erinnert mich daran, dass ich einmal in irgendeinem konsumkritischen Buch aus den 70er Jahren von einem Intimspray oder einer Seifenmarke gelesen habe, dessen Firma sich an die Kundinnen mit folgendem Slogan wandte: "Vaginageruch? Machen Sie Ihr Problem nicht zu seinem Problem." Heute wäre eine Werbung, die der Kundin derart zu nahe tritt und die außerdem insinuiert, die Körperhygiene würde nur für den Partner gemacht, undenkbar - bzw. ein sicheres Mittel, das Produkt NICHT zu verkaufen.
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