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Verrückte Welt: Niemand kann oder will die Botschaft der Rating-Agentur Standard & Poors verstehen. Alle KommentatorInnen führen Standard and Poors im Munde wenn sie vom Sparen sprechen, obwohl das gar nicht die Empfehlung der Agentur war. Die Analysen der Rater sind wesentlich vernünftiger, als das was an Unsinn durch die österreichischen Medien geistert.

Von Gastautor Niki Kowall

Die Regierungen müssen überall sparen, um das Vertrauen der Märkte zurückzugewinnen, nur wenn ihnen das gelingt, werden die Risikoaufschläge für Staatsanleihen wieder zurückgehen, sodass die Zinsenlast weniger drückend wird und so weiter und so weiter ... so lauten die Argumente derer, die in Europa jetzt flächendeckend Austerityprogramme verschreiben wollen, also: kürzen, kürzen, kürzen in praktisch jedem Land. Stichwort Schuldenbremse.

Dass das nicht funktionieren wird, sagen sehr viele, auch ich habe schon viele Gründe auf diesem Blog angeführt. 

Für den Fall, dass es da draußen aber Leute gibt, die mir vielleicht nicht glauben, und die auch Ökonomienobelpreisträger wie Paul Krugman und Joseph Stiglitz für halsstarrige Linke halten, denen man kein Wort glauben darf ... nun, vielleicht lassen sich diese Leute von Oliver Blanchard überzeugen. Der ist nicht weniger als der Chefökonom des Internationalen Währungsfonds, davor war er Ökonomieprofessor in Harvard und am MIT. Blanchard also schreibt auf seinem Blog am IWF über die "vier bitteren Wahrheiten", die wir 2011 lernen mussten. Unter Punkt drei wird es dann überraschend: 

Third, financial investors are schizophrenic about fiscal consolidation and growth. They react positively to news of fiscal consolidation, but then react negatively later, when consolidation leads to lower growth--which it often does. Some preliminary estimates that the IMF is working on suggest that it does not take large multipliers for the joint effects of fiscal consolidation and the implied lower growth to lead in the end to an increase, not a decrease, in risk spreads on government bonds.  To the extent that governments feel they have to respond to markets, they may be induced to consolidate too fast, even from the narrow point of view of debt sustainability.

Kurzum: Wenn Regierungen in Panik sparen, und wenn das alle Regierungen gleichzeitig machen, und das Wachstum dann einbricht, dann reagieren "die Märkte" erst recht nervös. Schuldenbremsen führen dann nicht zu sinkenden Zinsen, sondern im Extremfall sogar zu steigenden Zinsen, was die Zinsenlast drückender und die fiskalische Konsolidierung unmöglich macht. Wenn man sich schon so viel Sorgen um die "Stimmung" der Märkte macht, sollte man doch wenigstens ein bisschen versuchen zu begreifen, wie "Marktakteure" so ticken. 

Könnte das bei Gelegenheit jemand Merkel, Fekter und den anderen Hobby-WeltökonomInnen mitteilen? 
Ende November hatte ich im Kreisky-Forum Colin Crouch zu Gast, der sein neues Buch "Das befremdliche Überleben des Neoliberalismus" präsentierte. Die Freunde von "ichmachpolitik.at" haben die Lecture aufgezeichnet. Hier das Video: 

Immer radikal

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Zum Tode von Christopher Hitchens (Falter, 22. 12. 2011)

„Hüten sie sich vor dem Irrationalen. Seien Sie nie Zuschauer von Ungerechtigkeit oder Stupidität. Suchen Sie Streit und Diskussion um ihrer selbst willen; das Grab wird Ihnen viel Zeit zum Schweigen lassen." So beschließt Christopher Hitchens, der britisch-amerikanische Essayist, Journalist, Pamphletist das dünne Briefbändchen „Widerwort. Eine Verteidigung der kritischen Vernunft." Nicht in geringem Maße lebt das Buch von der Form, die der Autor gewählt hat: Ein Essay aus Briefen, den der alternde Radikale Hitchens an „einen jungen Unruhegeist" schreibt. Und es wird so eine Art Leitfaden daraus: Wie man radikal, zornig und energetisch bleibt, wenn man den Glauben an die simplen Antworten verloren hat. Kaum einer ist dafür prädestinierter als der Grenzgänger Hitchens: Linker Trotzkist in seinen Jugendtagen, wurde er zum eigensinnigen linken Individualisten, der gerne auch den eigenen Leuten auf die Nerven fiel. Er kämpfte gegen die Religionen, zuletzt in seinem Bestseller „Der Herr ist kein Hirte", stellte sich im Irak-Krieg aber auf die Seite von George W. Bush, Henry Kissinger hätte er aber wegen Kriegsverbrechen am liebsten vor den Kadi gezerrt. Wenn immer sich Hitchens einmischte, er ließ es anständig krachen, und doch war er kein bloßer Krachmacher, sondern ein hochgebildeter Intellektueller. Zigaretten und Whiskyflaschen waren seine ständigen Begleiter, und so war er erst 62 Jahre alt, als er vergangene Woche in Houston, Texas, an Speiseröhrenkrebs verstarb. 
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Vaclav Havel ist tot. Einer der vielleicht größten Helden unserer Generation, also eigentlich, der um eine Generation älteren Generation. Aber er war doch einer, dem man nah genug war generational, dass der Altersunterschied nicht so auffiel. 75 Jahre ist er alt geworden. Knast und Zigaretten haben sich ihm schon lange auf die Lunge geschlagen gehabt. An den Spätfolgen ist er jetzt gestorben. 

Der kleine Mann war nicht nur einer, zu dem man immer mit Respekt hochschaute, auch ganz persönlich verdanke ich ihm ein paar der bewegendsten Momente meines Lebens. Und ich hatte das Glück, auch in einem der wohl bewegendsten Augenblicke seines Lebens mit dabei zu sein - in dem Augenblick nämlich, als er 1989 vom Sieg der sanftenen Revolution unterrichtet wurde, deren Sprachrohr er war, deren wichtigste Zentralfigur er war. In diesem FS Misik 1989 habe ich darüber berichtet:



So habe ich diese Tage für den "Falter" zusammengefasst. 

Der Taxichauffeur klopfte sich unentwegt auf die Oberschenkel. „Haben verstanden? Kommunist kaputt", lachte er. Ich hatte natürlich kein Wort verstanden von dem, was da eben im Autoradio lief. Aber dass der Kommunismus kaputt ist, das hatte ich vorher schon gewusst. Es war nämlich gerade Generalstreik in Prag, aber der war nur mehr eine symbolische zweistündige Arbeitsniederlegung. Eigentlich hätte er die Altstalinisten der Tschechoslowakischen Kommunistischen Partei final in die Knie zwingen sollen, aber das war jetzt nicht mehr notwendig.
 
Die hatten vorgezogen, schon vorher abzudanken.
 
Jetzt stand der Taxifahrer im Stau und hupte laut. Generalstreik hieß natürlich auch, dass die Taxifahrer anhielten, wo immer sie gerade waren - und so den Verkehr lahm legten.
 
Ich war da gerade zehn Tage in Prag gewesen - zehn Tage, die als „Velvet Revolution", als „samtene Revolution" in die Geschichte eingehen sollten.
 
Es begann mit der Niederschlagung einer Studentendemonstration in Prag am 17. November 89. Die Sonderpolizisten hatten brutal auf die Demonstranten eingedroschen, und es hatte sich das Gerücht verbreitet, ein Student Namens Martin Smid sei getötet worden. Der war zwar bei bester Gesundheit, aber den Volkszorn hat es dennoch entfacht. Abend für Abend strömten ab da Menschen auf dem Wenzelsplatz zusammen und täglich wurden es mehr. Bald schon waren jeden Abend hunderttausend versammelt.
 
Am unteren Ende des Wenzelsplatzes, dort wo er in die Narodni übergeht, hatten die Umstürzler Quartier bezogen. Im Theater „Laterna Magica", dessen Keller immer hoffnungslos überfüllt waren. Die Dissidenten um Vaclav Havel, Jiri Dienstbier, Vaclav Maly, saßen hier, ungekämmt, mit dunklen Ringen unter den Augen und bleichen Gesichtern. Zum Schlafen kamen sie in diesen Tagen nie und sie waren hoffnungslos überkommuniziert. Andauernd stellten junge Journalisten wie ich Fragen von der Art: „Herr Havel, was sind ihre wichtigsten politischen Forderungen" oder „Herr Havel, wie wird es weiter gehen?" Havel reagiert nicht immer freundlich. Ich kann ihn verstehen.
 
Eine der Fragen, die damals alle beschäftigte, war: Wird Alexander Dubcek, der legendäre KP-Chef des „Prager Frühlings" des Jahres 1968 auch zu den Demonstranten am Wenzelsplatz sprechen? Wird er sich gewissermaßen an die Spitze der Revolution stellen? Täglich die Gerüchte: Dubcek kommt! Und dann kam er doch nicht.
 
Havel und seine Mitstreiter sprachen jeden Abend vom Balkon der Tageszeitung „Svobodne Slovo" zu den Demonstranten. Die riefen im Gegenzug „Es lebe Havel" oder schwenkten einfach ihre Schlüssel. Das sollte heißen: Apparatschiks, gebt die Schlüssel her. An einem dieser Abende ging ich einmal, etwas zu schnell, in Richtung Toilette. Und dabei habe ich beinahe einen alten, schmächtigen Mann niedergerannt. Im selben Moment stürzten sich auf uns gefühlte hundert Fotografen. Da fiel mir erst auf: Der, mit dem ich da beinahe zusammen prallte, war Alexander Dubcek. Da wusste ich, jetzt ist er da, der Dubcek.
 
Ich glaube, es war der selbe Abend noch, da gaben Havel und Dubcek in der „Laterna Magica" eine Pressekonferenz. Sie sprachen darüber, ob nun der „Sozialismus mit menschlichem Antlitz" eine zweite Chance erhalte - ja, so phantastische Gedanken hatte man damals tatsächlich -, da unterbrach sie ein Mann und flüsterte Havel etwas ins Ohr. Der holte kurz Luft und sagte dann, ganz langsam: „Das tschechoslowakische Fernsehen hat gerade vermeldet, dass das Präsidium des Zentralkommitees der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei geschlossen zurückgetreten ist."
 
Alle sprangen auf. Journalisten und Umstürzler waren jetzt nicht mehr auseinander zu halten. Wie oft im Leben hat man die Gelegenheit, dabei zu sein, wenn Revolutionäre vom Sieg ihrer Revolution unterrichtet werden?
 
Der Sprecher des Parteipräsidiums hatte für den späteren Abend dann noch eine Pressekonferenz angesetzt, und zwar im Hotel Intercontinental. Die Pressekonferenz verschob sich allerdings von Stunde zu Stunde nach hinten, was ein ereignisloses Warten nach sich zog. Glücklicherweise hatten einige Kollegen ihre Zimmer in diesem Hotel, sodass ich mit ein paar anderen ihre Zimmerbars plünderte. Als dann die Pressekonferenz um vier Uhr morgens tatsächlich begann, war ich nicht mehr sehr nüchtern. Nachdem der Parteisprecher dann auch noch dachte, uns nach Stunden des Wartens mit belanglosen Ausflüchten abspeisen zu können, meldete ich mich zu Wort und stellte eine Frage. Wahrscheinlich war es nicht direkt keine Frage. Angesichts meines Zustandes dürfte sie ein bisschen in Richtung Brandrede gelappt haben, ich kann mich nicht mehr so genau erinnern. Jedenfalls nickte mir nächsten Tag jeder Tscheche sehr aufmunternd zu, und ich dachte mir, die sind aber freundlich heute. Bis der Liftboy sagte: „Tolle Rede!" Da begriff ich erst, dass die Pressekonferenz live im TV übertragen worden war und sie, da es sich ja schließlich um den wichtigsten Tag in der tschechischen Nachkriegsgeschichte handelte, nahezu von jedem Bürger verfolgt wurde - trotz der späten Sendezeit.
 
Meine Tante Eva war jedenfalls sehr stolz auf mich. Die ist keine wirkliche Tante sondern die Nichte meiner aus Prag stammenden Großmutter. Also so eine Art Großtante. Von der hatte ich Tage vorher einen Zettel in meinem Hotelbrieffach, auf dem stand. „Robert, Du komme mich doch besuchen. Bin jeden Tag in Geschäft. Außer am Montag. Da bin ich in Generalstreik in Wenzelsplatz."

Ich bin Havel nach diesen elektrisierenden Tagen noch ein paar Mal wieder begegnet. Ein, zwei Jahre später etwa fuhr ich mit dem damaligen Parlamentspräsidenten Heinz Fischer nach Prag, der einen offiziellen Termin mit Havel hatte, der damals der erste Präsident der demokratischen Tschechoslowakei war. Nach dem Treffen der beiden habe ich Havel "gebeten" - exakt: fast genötigt - mir noch ein kurzes Interview zu geben. Ich kann mich noch erinnern, dass das dem Heinz Fischer ein ganz klein wenig peinlich war, wie undiplomatisch ich Havel überfallen hatte. Was ich ihn gefragt habe, was er antwortete... das weiß ich nicht mehr so genau. Überhaupt habe ich von Havel mehr den rauen Bass seiner Stimme im Ohr, dieses tiefe rauchige tschechisch, das in diesen zehn Tagen der sanftenen Revolution abend für abend über den Wenzelsplatz schallte. 

Diese Stimme, die die Kommunistische Partei in diesen Tagen buchstäblich aus dem Amt redete. 

Ich werde diesen Klang nie vergessen. 

Dass Havel jetzt nicht mehr lebt ist todtraurig. 
Dass die Europäische Union mit ihrem letzten Gipfel in die "Fiskal-Union" eingestiegen ist, ist eine Behauptung, die einer orwellschen Vergewaltigung der Sprache gleichkommt. "Fiskal-Union", da würden wir uns doch gemeinsame Anstrengungen vorstellen, auch ein solidarisches Teilen vielleicht, irgendeine Form von Vergemeinschaftungen zumindest. Aber der Notgipfel hat ja das genaue Gegenteil davon beschlossen. Sehr schön bringt das der Wirtschaftshistoriker Kevin O'Rourke auf den Punkt, der schon vom "Todes-Gipfel" spricht. 

With this in mind, the most obvious point about the recent summit is that the "fiscal stability union" that it proposed is nothing of the sort. Rather than creating an inter-regional insurance mechanism involving counter-cyclical transfers, the version on offer would constitutionalize pro-cyclical adjustment in recession-hit countries, with no countervailing measures to boost demand elsewhere in the eurozone. Describing this as a "fiscal union," as some have done, constitutes a near-Orwellian abuse of language.

Es wurde eben beschlossen, dass Nicht gemeinschaftlich reagiert wird - weder durch eine neue Strategie für die EZB, noch mit Euro-Bonds und auch nicht in Form von irgendwelchen keynesianischen Strategien durch die Europäischen Institutionen, etwa dass Sparanstrengungen in der Peripherie durch ökonomische Stimuli durch die starken Staaten oder die Institutionen der Union begleitet werden. Dafür spart jeder dummer für sich, ohne gemeinschaftliche Strategie. Und das nennt man dann "Fiskal-Union". Wie dumm sind die eigentlich, dass die glauben, wir seien so dumm und lassen uns durch Orwell-Sprache in die Irre führen? 

Die berühmten Märkte, um deren Gefühlslagen man sich ja derart sorgt, lassen sich jedenfalls durch so einen Quatsch nicht beeindrucken: Die Zinsen für Staatsanleihen stiegen sogar an, statt dass sie fielen. Mehr hier

Vor diesem Hintergrund ist die Debatte durchaus bezeichnend, die gerade bei den österreichischen Grünen geführt wird: Nämlich, ob jetzt doch einer Schuldenbremse in der Verfassung zugestimmt werden soll. Die Regierungsparteien brauchen ja wie bekannt die Stimmen einer Oppositionspartei für die Verfassungsmehrheit. Peter Pilz hat nun, abweichend von der Parteimeinung, folgende Position formuliert: 

Ich weiß, dass einige Grüne die Schuldenbremse kategorisch ablehnen. Mit vielen ihrer Argumente haben sie recht. Trotzdem bin ich für die Zustimmung, aus drei Gründen:

Erstens muss endlich intelligent gespart werden: bei der Hacklerregelung, bei der Verwaltung, beim Agrardiesel, bei den Bundesländern... Damit muss sofort begonnen werden.

Zweitens haben sich jetzt 26 EU-Staaten auf die Schuldenbremse festgelegt. Da können wir nicht einfach „Nein" sagen.

Und drittens spielen Symbole manchmal eine übermächtige Rolle. Europa hat sich jetzt geeinigt. Da kann man erklären, dass gerade diese Einigung unsinnig ist. Oder man kann sie als Brückenkopf betrachten und versuchen, sie zu einer gemeinsamen. spekulantenfesten Fiskalpolitik auszubauen. Dafür bin ich.

Nun kann ich dem durchaus etwas abgewinnen. Natürlich ist das nicht ganz blöd gedacht: Wenn der EU-Ratsgipfel einen Beschluss fasst, gibt es nur die Möglichkeit "ja" oder "nein" zu sagen. Nichtmitmachen ist keine so gute Lösung. Und gegen eine "europäische Einigung" zu revoltieren, wäre ein symbolischer Akt, der blöd ausgelegt werden könnte. Mit beidem hat Peter Pilz recht. Aber gleichzeitig wurde ein Beschluss gefasst, der dumm ist und an den Problemen der Euro-Zone nichts ändert und es wurden alle Lösungen vom Tisch gewischt, die sehr wohl die Probleme lösen könnten. Also sind wir de fakto in einer Erpressungsposition: Erst werden dumme Beschlüsse gefasst und dann wird noch gefordert, dass man ihnen zustimmt - ansonsten ist man ja ein Anti-Europäer. Warum aber sollte man sich eigentlich immer erpressen lassen? Man könnte doch genauso die Erpressungslogik umdrehen: Ihr kriegt keine Zustimmung für Euren Blödsinn, also macht, was wir für richtig halten, wenn ihr eine Mehrheit haben wollt. 

Elegant ist gewiss beides nicht. Aber es ist langsam etwas mühsam, von irgendwelchen Idioten dauernd in Situationen manövriert zu werden, in denen man dann nur zwischen zwei grottenschlechten Alternativen wählen kann. In diesem Fall: Zwischen einer Lösung, die keine ist, weil sie nur aus einer Schuldenbremse besteht, die nichts bringt und darüber hinaus nur schadet. Und der Ablehnung einer Schuldenbremse, also dem Statement, dass man für's erste keine Lösung dieser falschen Lösung vorzieht - mit allen Folgen, die das auch hat. 

Man kann auch manchmal nachgeben. Klar. Aber warum soll eigentlich immer nur eine Seite nachgeben? 

Wenn man nur mehr zwischen Pest und Cholera wählen kann, dann müssen andere Alternativen auf den Tisch. 

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Der politmediale Komplex feiert ohne jegliche Rücksicht auf den Inhalt alles ab, was der Form nach als „mehr Europa" daherkommt. Oftmals werden es die gleichen AkteurInnen sein die in einem Jahr gegen jene Kürzungen anschreiben werden, die aus der jetzt gehypten europäischen Fiskalunion resultieren. Von Gastautor Niki Kowall.

Auf zu neuen Zielen!

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Die Welt ist verbesserbar - aber nicht mit mittelmäßigen Gestalten, die nicht nur keine Ideen haben, sondern auch unfähig sind, sie zu formulieren. 

Aus meiner Einleitung des von Gertraud Auer Borea und mir herausgegebenen Sammelbandes "Genial dagegen - Die Reihe".

Weltverbesserer, so lautet ja ein gängiges Urteil, sind stets deprimierte, ewig übelgelaunte Spaßverderber. Sie sind die chronisch Unzufriedenen, die, die immer irgendetwas verbessern und verändern wollen, was ja gleichzeitig voraussetzt, dass ihnen nichts passt in der Welt, die sie in ihrer jeweiligen Gegenwart vorfinden. Dauernd wollen sie ihren Mitbürgern die Freude verderben. Beißt man in ein Stück Schokolade, kommen sie einem schon mit den versklavten Kinderarbeitern von der Elfenbeinküste, schaltet man nur das Licht ein, machen sie einem mit dem Klimawandel ein schlechtes Gewissen. Floriert er, der Kapitalismus, dann haben sie am Konsumismus herumzumäkeln, kracht er zusammen, dann haben sie es immer schon gewusst und empören sich, nicht selten mit der milieutypischen moralischen Überspanntheit, über „die Finanzmärkte", „die Spekulanten" oder über die Tankstelle, bei der das Benzin immer teurer wird. Immerzu sind sie überzeugt davon, dass alles schlecht ist in der Welt, dass die Menschen geknechtet sind, den billigsten Mysterien aufsitzen, der Kirche, oder heutzutage den Boulevardmedien und überhaupt... dass alles ganz furchtbar ist. Zu allem Überdruss sind sie meist fest davon überzeugt, dass das alles das Werk böswilliger Leute ist, das Werk übermächtiger Feinde, sodass sie uns, nachdem sie die Welt in aller Schlechtigkeit angeprangert haben, ratlos zurücklassen, da ja schließlich gänzlich unklar ist, wie die große, eminente Veränderung - manche von ihnen sprechen von einer „Revolution" - denn bewerkstelligt werden könnte, angesichts von Bürgern, die passiviert und verdummt sind, und von Gegnern, die mächtig, verstockt und gewissenlos sind und ihre Privilegien mit Hauen und Stechen verteidigen. 
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Ein anderes Urteil lautet, dass linke Gesellschaftskritiker hoffnungslose Idealisten sind, die in ihrem Wolkenkuckucksheim leben und sich eine ideale Welt erträumen, die leider den Nachteil hat, dass sie nie Realität werden wird, die aber gerade ihres fehlenden Wirklichkeitssinns wegen völlig neben der Spur stehen, vollkommen unfähig, die Welt zu sehen, wie sie ist. 

Und ein drittes Urteil wiederum ließe sich so zusammenfassen: Die Aktivisten fortschrittlicher Bewegungen haben, genauso wie die Vordenker und Politiker linker oder linksliberaler Parteien schon längst keine Ahnung mehr, was sie eigentlich wollen. Die einen passen sich dem Zeitgeist an, die anderen verfallen in düsterem Kulturpessimismus, die dritten verlegen sich auf das Verteidigen von dem, was sie so gerne „die Errungenschaften" nennen, also auf das Verteidigen des Erreichten. Neue Ziele - leider nicht im Angebot. Die Energie und der Schwung den sie vielleicht irgendwann einmal hatten - leider aufgebraucht. 
Ich könnte die, etwas karikaturhafte, Charakterisierung ewig fortsetzen, will an dieser Stelle aber einmal kurz Luft holen. Die gute Nachricht lautet: Ganz so schlimm, wie geschildert, ist die Sache nicht. Die schlechte Nachricht lautet: Vollkommen ungerechtfertigt ist die Häme leider auch nicht. 

Deshalb haben wir im „Bruno-Kreisky-Forum für internationalen Dialog" vor knapp fünf Jahren eine Gesprächsreihe gestartet. Ich hatte ein paar Monate davor ein Buch mit demselben Titel („Genial dagegen. Kritisches Denken von Marx bis Michael Moore", Aufbau Verlag, Berlin) veröffentlicht, und Rudolf Scholten und Gertraud Auer Borea, der Präsident und die Generalsekretärin des Kreisky-Forums, fragten mich, ob ich nicht eine Reihe kuratieren möchte. Die simple Seite der Idee war, einige der Theoretiker, Politiker und Aktivisten, die in meinem Buch zu Wort kommen, im Kreisky-Forum ihre Thesen präsentieren zu lassen. Dahinter steckte natürlich eine ambitioniertere Vorstellung: Gedankenbausteine, Weltsichten, Thesen zu präsentieren und bekannt zu machen, die sich zu einer neuen, progressiven Idee verdichten lassen. 
Also, früher war ich ja nicht gerade ein besonderer Fan von Helmut Schmidt. Und im Grunde bin ich es noch immer nicht. Sein Elder-Statesmenhaftes Getue finde ich bisweilen auch für einen bald 93-neunzigjährigen etwas dick aufgetragen und von aufgeblasener Arroganz nicht immer leicht zu unterscheiden.

Aber was der deutsche Ex-Kanzler da beim jüngsten SPD-Parteitag hingelegt hat, das würde man sich schon mal von einem jüngeren, amtierenden Regierungschef wünschen: leidenschaftlich und sachkundig zugleich hält er ein Plädoyer für Europa und rammt die deutschnationale Kraftmeierei der Merkel-Regierung in den Boden, die verlangt, die "Dolce-Vita-Länder" müssten ihre "Hausaufgaben" machen und die frohlockt, dass jetzt endlich "deutsch gesprochen" werde in Europa. Eine Stunde sieben Minuten großes Kino!


Wie am Tahrir-Platz, wie auf der Plaza del Sol, wie auf dem Libterty Plaza in New York haben in den vergangenen Monaten auch zehntausende junge Menschen in Israel einen zentralen Platz in Tel Aviv besetzt und eine neue Sozialbewegung ins Leben gerufen. 

Daniel Dor ist einer der klügsten Köpfe dieser Bewegung und wird morgen, Dienstag, 6.12. im Kreisky Forum zu Gast sein. Mehr dazu hier

Daniel Dor: Where to now? From Protest to Action. The Israeli Movement for Social Justice. 
Kreisky-Forum, Armbrustergasse 15, 1190 Wien
Dienstag, 6. 12., 19 Uhr. 

Anhörbefehl: Mopedrock aus Wien!

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Also das ist schon ein ziemlich klasses Album, das die Leute von Mopedrock aus Wien da vorgelegt haben. Grund genug mindestens, da wieder einmal einen eh viel zu selten gepflegten Musikmenü-Eintrag zu machen. "Spitzenalbum!" sagte der "Standard" und hat ganz recht auch mit folgender Charakterisierung: "...überzeugt mit einem Sturm-und- Drang-Gestus, der in einer Musik gipfelt, die trotz des nicht mehr ganz jugendlichen Alters der Band eine Dringlichkeit besitzt, die man gemeinhin nur der Jugend zugesteht."

Kurzum: Wie Punk, nur besser. Aber reinhören am besten!

Mopedrock - Vasistas? [KONKORD 057] by konkord

Hier geht's zur Website der Truppe, und hier auch noch ein Video. 


Die Rückkehr des hässlichen Deutschen

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Es läuft zur Zeit ziemlich viel schief in Europa. Die regierenden Eliten in Berlin glauben, sie hätten die Lösung - dabei sind sie Teil des Problems. Und sie sind so ziemlich die einzigen in Europa, die das nicht einmal bemerken. Der Freitag, 24. November 2011
Erst gestern hatte ich ein Gespräch mit einem Jungpolitiker, der mich fragte, ob ich es denn irgendwie für realistisch halte, dass die Euro-Krise mit der von vielen Ökonomen und auch mir vorgeschlagen Variante gelöst würde, nämlich dass die Europäische Zentralbank de fakto den Bankrott von Euro-Zonen-Ländern ausschließt. Also, ob ich mir vorstellen kann, dass ein solch weitreichender Regimewechsel in der europäischen Geldpolitik stattfinden kann - der damit die EZB zu einer funktionstüchtigen Zentralbank wie der FED oder der Bank of England machen würde. Ich habe darauf geantwort, dass das sehr wohl realistisch ist: Nämlich dann, wenn auch die Deutschen irgendwann Probleme auf den Finanzmärkten bekommen werden, kurzum, wenn auch die Zinsen für deutsche Staatsanleihen steigen werden. Denn es ist doch überhaupt nicht abgemacht, dass Deutschland, das wirtschaftlich auch nicht besser dasteht als Österreich oder Frankreich, für ewig das Liebkind der Märkte bleibt. Und dann wird Deutschland, das sich jetzt mit Zähnen und Klauen wehrt gegen eine effektive Krisenintervention durch die EZB, ganz schnell nichts mehr dagegen haben. Weil dann würde es ja nicht um die Rettung von "faulen Südländern", sondern von "fleißigen Deutschen" gehen. 

Dass ich allerdings so schnell recht behalten würde, hätte ich mir nicht gedacht. 

Heute ist Deutschland bei der Versteigerung von Staatsanleihen einfach auf seinen Papieren sitzen geblieben. Nur ein Bruchteil ging zum angebotenen Zinssatz weg. Das heißt de fakto, wenn Deutschland die Papiere loskriegen würde wollen, müsste es einen höheren Zinssatz anbieten, kurzum: Auch die deutschen Zinsen steigen. Alle Details dazu hier.

Das ist nun tatsächlich ein Hammer und wird, wenn das nicht nur eine Eintagsfliege ist, keinen Stein auf den anderen lassen. Wie geschmeidig sich die Debatte ändert, sieht man schon an folgender Wortmeldung. Der Markt für Staatsanleihen sei "kaputt", sagte ein Banker. Na, das ist aber putzig. Wenn den Spaniern niemand ihr Staatsanleihen abkaufen will, dann ist das ein Zeichen, dass die Südländer schlecht gewirtschaftet haben, wenn das den Deutschen passiert, dann ist der Markt "kaputt". Im ersteren Fall sind die Südländer schuld, im zweiteren der Markt. Ich lach' mich schief. Man merke: Der Staatsschuldenstand der Spanier liegt deutlich unter dem Deutschlands. 

Aber gut, mir soll es recht sein. Denn wenn es plötzlich um die Rettung der "Pleite-Deutschen" geht, dann wird im Eilverfahren die EZB einen Kurswechsel hinlegen. Wetten?!

Austria mal wieder am globalen Radar

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krugman österreich.JPGÖsterreich ist mal wieder in Übersee am Radar - das kommt ja nicht so oft vor, und wenn, dann nur wenn schlechte Nachrichten verbreitet werden: Waldheim, Schüssel-Haider-Regierung oder Kellerverbrechen in Amstetten. 

Und jetzt also: Die Risikoaufschläge für Österreichs Staatsanleihen. 

"Aber geht es dabei wirklich um fiskalische Angelegenheiten oder um irgendetwas, was mit Sparpolitik auf irgendeine Weise gelöst werden kann? Seht Euch Österreich an", schreibt Paul Krugman in seinem jüngsten Blogeintrag

"Österreich ist, was immer man als Grundlage wählt, eine sehr erfolgreiche Volkswirtschaft, mit niedriger Arbeitslosigkeit und einem laufenden Leistungsbilanzüberschuss. Österreichs Finanzpolitik steht sogar noch eine Spur besser da als die deutsche. ... Trotzdem muss Österreich genauso hohe Zinsen zahlen wie Frankreich, und liegt damit 44 Basispunkte über deutschen Anleihen.

Was geht hier vor? Hat das mit den Risiken österreichischer Banken zu tun? Wird hier bereits ein möglicher Euro-Zusammenbruch eingepreist? Was auch immer, eines ist klar: Fiskalische Disziplin ist offenbar kein Schutz - denn in dieser Hinsicht sind die Österreicher sogar besser als die Deutschen."

Aber Hauptsache, wir führen panisch eine Schuldenbremse ein. Aber Märkte, die verrückt spielen, wird man damit nicht beruhigen. Vor allem, wenn sie aus manchen Gründen verrückt spielen, aber eben bestimmt nicht wegen die Höhe der österreichischen Staatsschulden. Was es dazu sonst noch zu sagen gibt, habe ich gerade in meinem FS Misik Folge 208 gesagt. Hier noch mal zum Nachlesen die entsprechenden Stellen: 
My Talk at the TEDxVienna-Event. More about the Event here

Wie die Männer friedlich wurden

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Die Welt ist schlecht? Aber nein, sagt Steven Pinker in seiner großen Geschichte von Krieg, Mord und Totschlag: Sie wird immer besser. Falter, 16. 11. 2011
Eigentümlichkeiten der Zwickauer Nazi-Terror-Zelle.

Die Terrorwelle, mit der die knallig schon „Braune Armee Fraktion" genannte Zwickauer Gang in den vergangenen 13 Jahren Deutschland überzog, löst als erstes einmal Erstaunen aus. Offen gesagt: Es ist etwas Unverständliches an diesen Taten. Eine Terrorgruppe lanciert eine Terrorkampagne - und sagt es nicht dazu. Das ist in der Geschichte des Terrors ziemlich einzigartig. Schließlich hat Terror ja beinahe immer auch den Aspekt der „Propaganda durch die Tat", weshalb Terroristen üblicherweise ein hohes Mitteilungsbedürfnis haben. Die Zwickauer Zelle hatte das aber nicht. Sie beging Taten, die zum Großteil als rein kriminelle Taten erschienen, und schwieg über ihre Motive - zumindest, bis die Täter vergangene Woche hochgingen. 

Vor diesem Hintergrund haben Bekenntnisse, dass die Zivilgesellschaft offenbar versagt hat, dass es einmal mehr einen „Aufstand der Anständigen" bräuchte, in diesem Fall ein wenig die Anmutung einer hohlen Phrase: Wie soll die Zivilgesellschaft gegen etwas aufstehen, wovon sie nichts weiß? 

Auch die Behauptung, hier wäre etwas „vor unser aller Augen" entstanden, ist zumindest diskussionswürdig. Mindestens genauso wahr ist: Hier ist etwas jenseits unseres Blickfelds entstanden. Anders als bei den xenophoben Pogromen der neunziger Jahre von Rostock bis Mölln hatten diese Täter keine Corona normaler Bürger um sich, die ihre Taten offen oder klammheimlich guthießen. 

Das ist die eine Seite der Wahrheit. Die andere ist: An ein Einzeltäter-Trio (-oder Quartett), will man nicht recht glauben. Mit nahezu gewisser Sicherheit hatten sie zum Zeitpunkt ihres Untertauchens vor 13 Jahren Unterstützung aus dem harten Kern der Neonaziszene. Hatten sie sie vielleicht bis zuletzt? Was wusste der Verfassungsschutz? Woher hatten sie ihre Papiere? Den Sprengstoff? Und selbst, wenn man nicht gleich instinktiv an einen großen Staatsskandal denken will: Konnten die Täter vielleicht auch deshalb unerkannt bleiben, weil man in Sicherheitskreisen spontan dazu neigt, jeden Autobrand unter „linksextremer Terror" zu verbuchen, wohingegen man Richtung rechts einfach nicht so genau hinschaut? Motto: Brennt ein Auto - linker Terror. Wird ein Türke erschossen -  bestimmt war's die Mafia. Warum? Weil man die Neonazi-Subkultur schon für „normal" hält, und ihr „so etwas" nicht zutraut? 

Klar: Auch Polizisten können etwas „übersehen". Kann sein. Kann aber auch sein, dass man dafür auch ein bisschen aktiv wegschauen muss. 
krugman.jpgMan muss immer und immer wieder dankbar dafür sein, in welcher Klarheit Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman Tag für Tag manche Dinge klarstellt. Dass die Euro-Staaten deshalb in einer Krise seien, weil sie "über ihre Verhältnisse" gelebt und hemmungslos Schulden gemacht haben, ist ein Ideologenmärchen. Das heißt nicht, nur um nicht mißverstanden zu werden, dass hohe Staatsschuldenstände irgendwie irrelevant oder gar erstrebenswert seien, aber wer behauptet, die Probleme der Euro-Zonen-Länder auf den Finanzmärkten hätten primär mit den hohen Staatsschuldenständen zu tun, der versteht einfach nichts von der Materie. Warum das so ist, habe ich unlängst hier dargelegt. Krugman schreibt dazu nun in seiner jüngsten Kolumne in der New York Times: 

First, if you look around the world you see that the big determining factor for interest rates isn't the level of government debt but whether a government borrows in its own currency. Japan is much more deeply in debt than Italy, but the interest rate on long-term Japanese bonds is only about 1 percent to Italy's 7 percent. Britain's fiscal prospects look worse than Spain's, but Britain can borrow at just a bit over 2 percent, while Spain is paying almost 6 percent.

What has happened, it turns out, is that by going on the euro, Spain and Italy in effect reduced themselves to the status of third-world countries that have to borrow in someone else's currency, with all the loss of flexibility that implies. In particular, since euro-area countries can't print money even in an emergency, they're subject to funding disruptions in a way that nations that kept their own currencies aren't -- and the result is what you see right now. America, which borrows in dollars, doesn't have that problem.

Die Euro-Zonenländer müssen hohe Zinsen auf ihre Staatsanleihen zahlen, weil sie sich zum Spielball der Märkte gemacht haben - aufgrund der Fehlkonstruktionen des Euros und der Europäischen Zentralbank, die die Eurozonenländer "auf den Status von Dritt-Welt-Länder reduzierten, die sich in fremden Währungen verschulden müssen".  Und solange das nicht behoben ist, werden alle Rettungsschirme nichts helfen - und die Sparprogramme, die jetzt überall panisch aufgelegt werden, ohnehin nicht. 

Im Grunde weiß jeder, dass dieses panische Sparen nichts bringen wird außer nutzloser Wertvernichtung - ich bin mir sicher, sogar die ideologisch verbohrtesten Finanzministerinnen wissen das auch. Selbst jemand, der praktisch nichts versteht von den Dingen, wie etwa unsere österreichische Finanzministerin Maria Fekter -  soviel muss auch sie schon begriffen haben.

The other thing you need to know is that in the face of the current crisis, austerity has been a failure everywhere it has been tried: no country with significant debts has managed to slash its way back into the good graces of the financial markets. For example, Ireland is the good boy of Europe, having responded to its debt problems with savage austerity that has driven its unemployment rate to 14 percent. Yet the interest rate on Irish bonds is still above 8 percent -- worse than Italy.

Ach ja, und ein besonders dummes Argument ist, dass die "generösen Wohlfahrtsstaaten" einfach nicht mehr finanzierbar sind. Denn die generösesten Wohlfahrtsstaaten sind ja die, die am besten durch die Krise kommen und jene Länder, die die größten Probleme haben, zählen nicht gerade zu den fortgeschrittensten Sozialstaaten. 

The nations now in crisis don't have bigger welfare states than the nations doing well -- if anything, the correlation runs the other way. Sweden, with its famously high benefits, is a star performer, one of the few countries whose G.D.P. is now higher than it was before the crisis. Meanwhile, before the crisis, "social expenditure" -- spending on welfare-state programs -- was lower, as a percentage of national income, in all of the nations now in trouble than in Germany, let alone Sweden.

Mit einem Wort: Glaubt den Ideologen kein Wort, die behaupten, man müsse nur dieses und jenes einsparen, dann würde wieder Frieden mit den Märkten herrschen - und umgekehrt, wenn nicht dies und jenes weggestrichen würde, dann drohe das Schlimmste. 

Das heißt natürlich nicht, dass Defizite nicht reduziert werden sollen. Aber die Defizite sind nur sehr mittelbar, aber keineswegs primär die Ursache für die Finanzmarktturbulenzen, deren Opfer die Euro-Zonenländer derzeit werden. 

Und abgesehen davon: Mit verallgemeinerten Kaputtsparen in ganz Europa lassen sich die Defizite ohnehin nicht reduzieren. Das geht nur, indem man die hohen Vermögen stärker belastet und mit den lukrierten Einnahmen die Schulden abbaut. Und von heute auf morgen geht das auch nicht, sondern nur sukzessive - denn wir wollen die Vermögenden ja nicht vollends und im Handstreich enteigenen, oder ;-) ? Abgesehen davon, dass das erst recht Finanzmarktturbulenzen nach sich ziehen würde, denn die Vermögenden sind ja dummerweise auch jene, die die Staatanleihen besitzen, und wenn die diese massenhaft verkaufen müssen, weil sie ihre Steuern zahlen müssen, dann gäb's erst recht Probleme an den Märkten, also...

Windschiefe Architektur

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Warum die Euro-Zone plötzlich zum Hauptopfer der Finanzkrise wurde.

Beitrag für "Gegenblende", das Online-Portal des Deutschen Gewerkschaftsbundes DGB. 

Erinnern Sie sich noch an den Herbst 2008? Lehman-Brothers krachte zusammen und die internationalen Finanzmärkte erlitten einen Herzinfarkt. AIG, die monströse Versicherungsfirma, wäre beinahe mit in den Orkus gegangen, da sie für Millionen Hypothekarkredite bürgte, die nun nicht mehr zurückgezahlt werden konnten. Sie wurde, wie viele andere Finanzmarktinstitutionen, von der US-Regierung gerettet. Rund um den Globus mussten die Regierungen Banken und andere Finanzmarktinstitutionen retten. In einem großen Dominoeffekt wären, hätte man "die Märkte" auf sich allein gestellt gelassen, praktisch alle Finanzinstitutionen des internationalen Kapitalismus zusammengekracht. Und da eine kapitalistische Marktwirtschaft ohne Banken schwer vorstellbar ist, stellte sich die Lage so dar: Der Kapitalismus wäre zusammengebrochen - wenn ihn die Regierungen nicht gerettet hätten. Die freien Finanzmärkte haben ihn also an den Rand des Zusammenbruchs gebracht, den Kapitalismus. Kurzum: Die Finanzinstitutionen haben das System an die Wand gefahren - und es waren die Staaten und Regierungen, die das Schlimmste verhindern mussten. 

Zwei bizarre Meldungen - eine davon lustig, die andere ziemlich erschreckend - fand ich bei heutiger Zeitunglektüre:

Die eine stammt aus der taz und ist eine Metapher auf eine sehr deutsche Art des Aufstandes. Die Berliner "Occupy"-Bewegung würde gerne einen Platz besetzen. Aber natürlich nur mit Genehmigung der Behörden (!). Seit Tagen bittet sie um Zuteilung eines Platzes. Bloß, da hat die Revolution bei ihrer Bitte um amtliche Genehmigung die Rechnung ohne den Amtsschimmel gemacht: Das Bezirksamt Mitte findet, es ist für politische Demonstrationen nicht zuständig, die Polizei wiederum ist der Ansicht, sie sei gewiss nicht für Zeltlager zuständig. So muss die Revolution leider ausfallen, weil die Behörden über die Zuständigkeit uneinig sind. Mehr dazu hier.

Die zweite stammt aus der "Bild"-Zeitung. Griechenland kriegt ja jetzt bald eine "Regierung der nationalen Einheit" und die populistische LAOS-Partei hat schon zugesagt, da mit von der Partie sein zu wollen. LAOS-Chef Georgios Karatzaferis könnte also bald Minister sein in Athen. Der hatte nach dem 11. September 2001 im Parlament gefragt: "Warum wurden die Juden gewarnt, an diesem Tag nicht zur Arbeit ins World Trade Center zu gehen?". Dem islraelischen Botschaft hat er mal zugerufen: "Pass auf, Judenbotschafter!" Und auch vom "Märchen von Auschwitz" hat er einmal gesprochen. Und. Und. Und. (mehr hier)

Na, das haben wir gebraucht: Einen Judenhasser in einer "Regierung der nationalen Einheit" Griechenlands. 


Vergangenen Freitag diskutierte ich mit Aktivistinnen und Aktivisten der unibrennt-Bewegung über das "Bildungsvolksbegehren". Hier das Video der Debatte.

Die Multitude bei der Arbeit

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Occupy Irgendwas: Der Kapitalismus und seine Kritiker. Der Freitag, 27.10.2011

„Es ist die erste globale Revolution, die erste Weltrevolution in der Geschichte der Menschheit", sagt Kalle Lasn. Der gebürtige Este, der weit weg von New York, im kanadischen Vancouver residiert, ist dieser Tage ein gefragter Interviewpartner. Schließlich, wenn auf jemanden das Attribut zutrifft: „Der Mann, mit dem alles anfing", dann auf Lasn (siehe Interview). Schließlich war es Lasns Magazon „Adbuster", das im August E-Mails an 60.000 Unterstützer versandte:. „#OCCUPYWALLSTREET. Are you ready for a Tahrir moment? Dann ströme am 17. Septemer nach Lower Manhattan."

Seither ist der Liberty Plaza im Bankendistrikt in Südmanhattan besetzt. Erst relativ unbemerkt, ignoriert von den Mainstream-Medien, wurde die Sache zwei Wochen später langsam zu einer „Story", nicht zuletzt, weil die New Yorker Polizei gleich 700 von 1000 Demonstranten verhaftete, die die Brooklyn-Bridge besetzt hatten. Als dann auch noch verschiedene Gewerkschaften aufriefen, mit den Occupy-Leuten zu demonstrieren, war endgültig klar: Das ist keine kleine Sache, die schnell vorbei geht. Plötzlich waren die paartausend Leute zu einer Big Story geworden. 
"Videoblogging ist die bislang innovativste Form des Journalismus", schreibt der "Trend", das gewichtigste österreichische Wirtschaftsmagazin. Na, schön zu hören. Dem Videoblogger Ihres Vertrauens ist natürlich auch reichlich Platz gewidmet: 

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Jetzt sind sie online, dank der Freunde von ichmachpolitik.at respektive ZiGe.tv (das steht nicht für ein Tier, sondern für "Zivilgesellschafts.tv"): Die Videos von der großen "Genial dagegen"-Konferenz mit Rossana Rossanda, Heiner Flassbeck, Franz Vranitzky, Richard Sennett, Maria Vassilakou, Benjamin Barber, Colin Crouch, Isolde Charim, Richard Wilkinson und vielen anderen im Wiener Kreisky-Forum. 

Zunächst einmal die Videos vom ersten Tag, wenn das Video vom zweiten Tag fertig ist, werde ich das hier updaten. Also: Ich wünsche spannende Stunden ;-) beim nach-gucken. 






 
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Following is the Presentation I gave at the independent TED-x-Vienna-Event on Saturday, 22nd of October. The Video will be available within the next days:

The Issue, I want to speak about today, is, what it means to be a Progressive in the 21st Century. And this is a more tricky question than one would assume at first sight. Let me try to give you some hints, what I mean with that.

There are a lot of people who think that our western societies, our western capitalist societies or the western market economies - it's not so important at this point how we want to put it - are on a wrong track. 

Actually, since the downward spiral and the economic uncertainties, which we can observe since the slump in the financial crisis in Fall 2008, most people think, that there are a lot of things wrong with our societies. Frankly, how could they think something different. 

Not so few people would go further and say, that with capitalism itself is something wrong. That Capitalismus doesn't have only problems, that the Capitalism itself is the Problem. 

And if they are not in a strong sense "Anti", they are it maybe in a softer sense, that this System is prinipielly unfair, or some others maybe would lament, that the Consumer-Society makes everything to a commodity, that everything is about money, that this undermines our social relationships, all social spheres of society, that this makes the TV-Programms worse, and: McDonalds! and so on. You all know this modes of critique and, I a am sure, three or four other modes of critique too.
Bemerkungen zur Konferenz "Genial dagegen" zum Ausklang des Kreisky-Jahres im Wiener Kreisky-Forum.
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"Genial dagegen - Was würde Bruno Kreisky heute vorschlagen?", so lautete der Titel der zweitägigen Tagung im Kreisky-Forum in Wien, zu der Ökonomen, Politikwissenschaftler, Soziologen, Politiker, Philosphen und Theoretiker aus aller Welt angereist kamen. Wir haben die Konferenz absichtlich zum Ausklang des Kreisky-Jahres programmiert. In meiner Eröffnungsansprache formulierte ich das folgendermaßen:

Und wenn Sie sich an die Wochen rund um Bruno Kreiskys 100. Geburtstag erinnern, dann werden Sie sich daran erinnern, wieviel Nostalgie in diesen Tagen und Wochen herrschte.

Die Nostalgie nach einer Epoche, in der Aufbruch herrschte, die durchzogen war von einem progressiven Geist, in der alle davon ausgingen, dass das morgen besser sein wird als das heute, in materieller Hinsicht, aber nicht nur in materieller Hinsicht. Dass es einen Fortschritt in eminenten Sinne gäbe, mehr Demokratie, besser Bildung, mehr Emanzipation, mehr Freiheit für die Bürger, ihre eigenen Lebensentwürfe zu realisieren, ihre Träume zu verwirklichen, ihre Talente zu entwickeln, ein besseres Leben zu führen.

Aber es gab nicht nur eine Nostalgie nach diesen Optimismus einer Ära, sondern auch nach Figuren wie Kreisky. Was hat denn da immer mitgeschwungen in diesen Jubiläumswochen dieses Kreisky-Jahres: Ha, das war noch ein Politiker. Solche Politiker sollte es noch geben. Aber solche Politiker gibt es nicht mehr. Das schwang da immer mit.

So ein nostalgischer Blick zurück hat deshalb immer auch etwas Deprimierendes: Früher wars noch super, heute alles fürchterlich.

Deshalb fragen wir mit dieser Tagung zum Ausgang des Kreisky-Jahres völlig unnostalgisch und nach vorne gerichtet: Was würde Kreisky heute vorschlagen?
Aber natürlich meinen wir damit: Was sollten wir vorschlagen? Was können wir eigentlich tun, was wäre zu tun, damit wir unsere Gemeinwese
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n wieder nach vorne bringen, besser machen? Ist das überhaupt möglich?

Ja, das ist möglich, davon sind wir, davon bin ich überzeugt. Wenn 
wir daran einen Zweifel hegen würden, dann würden wir alle unsere Arbeit wahrscheinlich sofort einstellen.

Es ist möglich, es ist sogar notwendig. Aber es ist dazu auch Entschlossenheit nötig, und ein optimistischer Blick nach vorne. Es waren nie die Miesepeter, die die Welt verbessert haben, es waren immer Optimisten, die die Welt verbessert haben.

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Vortrag bei der Tagung "Politik im Dokumentarfilm" im Kölner Filmhaus, 13. Oktober 2011. Lesern meines Buches "Genial dagegen" werden die Mittelpassagen möglicherweise bekannt vorkommen...

Oh yeah, here he comes! Der berühmteste Linke der Welt! Der unterhaltsamste Klassenkämpfer dieses Globus! Der Entertainer unter den Sozialkritikern! Michael Moore, Amerikas dickste Smart Weapon: Lachen für den Frieden, Witzeln gegen Rechts, Pointen für den Regime Change in Washington. Der Filmemacher with a mission. Michael Moore gegen das Unrecht! In der Hauptrolle: Michael Moore. In der Nebenrolle: das Unrecht.

„Michael Moore und der Vorwurf der Propaganda", so lautet das Thema, über das ich hier heute sprechen soll. 

Und da möchte ich, systematisch wie ich bin, erstmals mit der Frage beginnen, was das denn eigentlich für ein Vorwurf sein soll: Propaganda? Sind Michael Moores Filme „Propaganda"? Was ist das überhaupt „Propaganda"? 
Rede zur Eröffnung des Hainfeld-Konventes der SPÖ-Niederösterreich, 14. Oktober 2011

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Dieser Hainfeld-Konvent erinnert daran, dass hier vor mehr als 120 Jahren die österreichische Sozialdemokratie gegründet wurde, wobei das nur halb stimmt natürlich. Die verschiedenen Stränge der sozialdemokratischen Bewegung, die es ja vorher schon gab, wurden hier vereinigt zu jener sozialdemokratischen Partei, die seither unglaublich viel erreicht hat. 

Bedenken wir, wie das war, vor 120 Jahren. Monarchie, ständische Ordnung, in der klar war, wer oben ist und wer unten ist. Ein Kapitalismus entwickelte sich, ein Räuberkapitalismus, der Massen einfacher Leute in die Städte spülte, wo sie schufteten, für Suppe und ein Stück Brot und ein Dach über dem Kopf, wenn sie nicht eingepfercht waren in Massenquartiere, verlaust, stinkig, ohne große Lebenschancen.

Ich häng dann mal rum

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Vorsicht Inländer.jpgVielleicht haben Sie mich in den vergangenen Tagen schon an der einen oder anderen Ecke von Wien "herumhängen" gesehen. Grund: Ich bin eines der "Gesichter" von Pato Handls neuer Plakatkampagne "Vorsicht Inländer". 

IMPORTEXPORT - Patografien - VORSICHT INLÄNDER from BlinklichtMediaLabs on Vimeo.

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Ich gurk ja grad in Köln herum, deshalb nur kurz: 

Seit heute gibt es Warnstreiks in der Metallindustrie, weil die Kolleginnen und Kollegen ein Lohnplus von etwas mehr als fünf Prozent durchsetzen wollen. Und das ist nicht nur gut so, das ist wichtig so und zwar aus drei Gründen: 

Erstens, weil ein Teil unserer ökonomischen Probleme gerade darin besteht, dass die normalen Einkommensbezieher in den vergangenen zehn Jahren eine zu flache Lohnentwicklung hatten. Die Lohneinkommen blieben hinter Inflation und Produktivitätszuwachs zurück, hinter dem, was Ökonomen den Verteilungsspielraum nennen. Aber damit dümpelt die Nachfrage. Niedrige Löhne stabilisieren keine Konjunktur, wie das die Arbeitgeber dauernd trommeln, im Gegenteil. 

Zweitens, weil es wichtig ist, dass die vergifteten Bonbons wie Einmalzahlungen nicht akzeptiert werden. Die tragen nämlich zu einer flachen Lohnkurve bei, weil sie zwar mehr Geld aufs Konto bringen - einmal -, aber die Löhne unverändert läßt. Bei der nächsten prozentuellen Erhöhung wird dann von diesem niedrigen Ausgangswert gerechnet. Und das führt langfristig zu Einkommen, die zu niedrig sind. 

Drittens, und das ist beinahe das wichtigste, sind ordentliche Lohnzuwächse bei uns - und etwa in Deutschland und den anderen starken Euro-Ländern - wichtig, damit die schwachen Euroländer wieder auf die Beine kommen können. Denn die müssen ihre Wettbewerbsposition verbessern. Wenn unsere Löhne stagnieren, müssen sie ihre senken. Wenn unsere steigen, reicht, wenn ihre stagnieren. 

Höhere Löhne bei uns sind für die Unternehmen leistbar, sie sind ökonomisch sinnvoll und sie sind für die Lösung der Probleme des Euroraums notwendig. 

Und wirklich cool ist eins: www.streik.at, der Streikblog der Gewerkschaftskolleginnen und Kollegen. 

Was ist „linker Reformismus"?

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Ein paar Bemerkungen zur Rede von Berthold Huber beim Gewerkschaftstag der IG-Metall. Ein Kommentar auf Einladung der IG-Metall für ihr Webportal.

Auf die IG-Metall richten sich dieser Tage wieder alle Augen. Und das hat nicht nur mit ihrem Gewerkschaftstag zu tun. Denn, mit Verlaub: Alle paar Tage hat irgendeine Gewerkschaft einen Gewerkschaftstag - ohne dass davon irgendjemand besondere Notiz nimmt. Aber mit der IG-Metall ist das anders. Erstens, weil sie mit rund 2,4 Millionen Mitgliedern immer noch die größte Gewerkschaft der Welt ist. Zweitens, weil die IG-Metall immer schon eine der „fortschrittlichsten" Gewerkschaften war, wenn wir unter fortschrittlich einmal verstehen, dass sie, auch wenn sie wie jede große Organisation auch ihre strukturkonservativen Seiten haben mag, doch immer ein Sensorium für neue Fragen hatte und sich offen zeigte, Dinge, die man bisher auf eine bestimmte Weise machte, auf neue Weise zu machen, auf zeitgemäßere Weise. Drittens aber, weil dieses Zeitgenössische an der IG-Metall ganz offensichtliche, messbare Erfolge zeitigt. „Mit unorthodoxen Mitteln wirbt die IG-Metall um neue Mitglieder - und hat Erfolg", titelte vergangene Woche etwa die Hamburger „Zeit". Solche Schlagzeilen sind selten, wenn es um Gewerkschaften geht. 4000 Mitglieder mehr als vor einem Jahr, davon die meisten unter 27 Jahren. Die IG-Metall als größte „Jugendorganisation" des Landes. Da fragt man sich in Redaktionshäusern, in denen man gewohnt ist, über Mitgliederschwund zu berichten, wenn es um Parteien, Gewerkschaften, Kirchen oder die Freiwillige Feuerwehr geht: Wie ist das denn möglich? 

"Mister Gorbatchev, Tear Down This Wall!"

Ronald Reagan, 1987

 

"Mister Obama, Tear Down This Wall Street!"

Millions of People, 2011

Occupy Austria

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occupy.pngOb wir damit auch so eine Überraschung erleben, wie die Amerikaner mit ihrer Occupy Wall Street Bewegung? Für kommenden Samstag, 15. Oktober, sind jedenfalls auch in Österreich eine Reihe von Aktionen unter dem Titel "Occupy Austria" geplant. 

11 Uhr Graz Südtirolerplatz;
11 Uhr Salzburg Nationalbank;
12 Uhr Wien Heldenplatz;
13 Uhr Linz Taubenmarkt;
... 13 Uhr Innsbruck Annasäule;
14 Uhr Graz Mariahilferplatz;
15 Uhr Wien Westbahnhof;
19 Uhr Salzburg Residenzplatz;
19 Uhr Wien Ballhausplatz.

Frühere Treffpunkte:
Donnerstag, 13.10: 17-20 Uhr Linz Taubenmarkt: Auftaktkundgebung+Überraschungscamp. 
14 Uhr Graz Mariahilferplatz;
15 Uhr Wien Westbahnhof;
19 Uhr Salzburg Residenzplatz;
19 Uhr Wien Ballhausplatz.

Frühere Treffpunkte:
Donnerstag, 13.10: 17-20 Uhr Linz Taubenmarkt: Auftaktkundgebung+Überraschungscamp. 

Näheres gibts hier.

Also, ich bin jedenfalls neugierig. Schade halt, dass es langsam kalt wird ;-) 

Und natürlich gibt's das alles nicht nur in Österreich: Es soll ja Auftakt einer globalen Bewegung werden. Also, wer grad in Berlin ist etwa: 15 Uhr, Alexanderplatz. 

Hier ein kleines Werbevideo für die deutschen Freundinnen und Freunde: 



Occupied Wall Street Journal

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Occupy wall street journal.JPGDie Besetzer auf dem Liberty Square in Lower Manhattan, einen Steinwurf von der Wall Street entfernt, haben jetzt auch eine Zeitung. Und die heißt, logisch: "Occupied Wall Street Journal". Lesen und / oder downladen kann man sie hier

Übrigens: Wussten Sie, dass den Besetzern im "Land of the free Speech" der Gebrauch von Mikrofonen, Verstärkern, Lautsprechern etc. untersagt ist? So müssen sie sich mit dem "menschlichen Lautsprecher" behelfen - wenn jemand einen Satz sagt, wird er von Hunderten anderen laut wiederholt, sodass ihn auch die anderen hören können. Das macht Kommunikation natürlich etwas langsam. 

Hier ein Link zur Rede, die Naomi Klein vor den Besetzern am Liberty Square halten wollte - gehalten hat sie sie dann reichlich gekürzt, eben wegen dieser Langatmigkeit. "Occupy Wall Street - The Most Important Thing in the World now." Hübsch ihre Schlussgedanken: 

"A few final thoughts. In this great struggle, here are some things that don't matter.

§ What we wear.

§ Whether we shake our fists or make peace signs.

§ Whether we can fit our dreams for a better world into a media soundbite.

And here are a few things that do matter.

§ Our courage.

§ Our moral compass.

§ How we treat each other."

Occupy Wallstreet - Ein Wendepunkt?

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Es wird immer klarer, dass mit der Occuppy-Wallstreet-Bewegung etwas entstanden ist, was Kreise zieht und zu einer populären Volksbewegung von Links werden kann. Sogar Präsident Barack Obama äußerte sich jetzt positiv über die Besetzer in Südmanhattan: Die Bewegung drücke aus, "was viele Menschen über unser Finanzsystem denken". 

Und Paul Krugman kommentiert in der heutigen New York Times: 

"Irgendwas passiert gerade. Es ist nicht ganz klar, was, aber möglicherweise sehen wir gerade den Aufstieg einer Volksbewegung, die, anders als die Tea Party, auf die richtigen Leute zornig ist. Als die Occoupy Wall Street Proteste vor drei Wochen begannen, haben die meisten Medien die Events nicht einmal erwähnt. ... Jetzt, wo Gewerkschaften und viele Demokraten ihre Unterstützung der Proteste anmelden, erscheint Occupy Wall Street plötzlich als eine bedeutende Sache, die wir möglicherweise einmal als einen Wendepunkt betrachten werden."

Dass die jungen Leute schlecht frisiert sind und manche wirre Forderung aufstellen, kommentiert Krugman lapidar: "Die Erfahrung zeigt, dass Männer in schicken Anzügen nicht nur kein Monopol auf die Weisheit haben, sie haben überhaupt sehr selten Weisheit anzubieten..." Jedenfalls sei doch grundsätzlich klar, was die Demonstranten wollen, "und es ist jetzt die Sache öffentlicher Intellektueller und Politiker, in die Details zu gehen". 
"Indes", so heißt die ambitionierte neue Zeitschrift des "Göttinger Instituts für Demokratieforschung". Für ihre erste Ausgabe stellte sie sich die Frage: "Wo sind die Vordenker?" Die gesamte Ausgabe als pdf gibts hier. Und zum Webportal indes-online geht's hier. Zum Start habe ich den Kolleginnen und Kollegen einen kleinen Videocast produziert und eine "intellektuelle Katographie Wiens" geschrieben. 


Ich muss Ihnen die traurige Mitteilung machen, dass der Kaffeehausintellektuelle ausgestorben ist. 

Zur intellektuellen Kartographie Wiens.

Der Kaffeehausintellektuelle kommt in Wien nicht mehr vor, und wenn doch, dann nur mehr als Insultierung. Der Begriff selbst ist heute vollends in der Hand von Dummköpfen, für die er ein wohlfeiles Instrument ist, ihre antiintellektuellen Ressentiments aufzuhübschen. Für diese ist schnell jeder, der zwei, drei zusammenhängende Gedanken zu fassen in der Lage ist, ein Kaffeehausintellektueller, was in diesem Fall ja nicht nur einen gescheiten Menschen meint, der im Kaffeehaus sitzt, sondern einen, der sich irgendwelche realitätsfernen Gedanken macht, aber nie zu irgendeiner Praxis kommt, weil er ja so gemütlich im Kaffeehaus sitzt, wo er elegant einen Aphorismus an den anderen reiht, wo er möglicherweise auch messerscharfe Kritik an den bestehenden Verhältnissen übt, und dann wieder versäumt, die kritikwürdigen Verhältnisse zu verändern, denn - siehe da! - schon wieder ist es spät geworden, die Sperrstunde ist da und etwaige dementsprechende Vorsätze müssen auf morgen verschoben werden. 

Dieses Ressentiment gegen den Intellektuellen als bloß schwadronierenden Kaffeehausintellektuellen ist wohl so alt wie der Begriff selbst, wie schon die berühmte Anekdote aus den späten Tagen des Ersten Weltkrieges beweist, als der K.u.K. Ministerpräsident Heinrich Graf Clam-Martinic auf die Möglichkeiten einer Revolution in Russland angesprochen, entgegnete: „Revolution in Russland? Wer soll die denn machen? Vielleicht der Herr Bronstein aus dem Café Central?"

Kommts ma net deppert!

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Fernsehen zum Lesen? Wo gibts denn sowas? Na hier! "Die Bekenntnisse eines Wutbürgers", der Monolog zum 200er-Jubiläum meines Videocasts "FS Misik" gibts hier jetzt auch als Manuskript zum Nachlesen. 

Misik Heldenplatz Novotny.jpg

Foto: Daniel Novotny

"FS Misik 200. 

Jetzt bin ich echt schon beim 200. angekommen. Dabei ist ja das mit der FS Misik 100 Jubiläumsshow gerade gestern gewesen, also so vom Gefühl her. 

Und ich mach diese Sendung ja mit Gefühl, mit ganz viel Gefühl. 

Manchmal natürlich auch mit Fakten, knallharten Fakten, aber immer auch mit Gefühl. 

Aber reden wir nicht immer von mir. Reden wir mal über Sie. Wie finden SIE MICH eigentlich? 

Scherz. 

Nein, Sie... Sie sind ja sicher so ein Wutbürger, oder so eine Wutbürgerin. Man muss ja das immer mitdenken. Wutbürger. Wutbürgerin. Frauen müssen ja in der öffentlichen Rede und in den öffentlichen Angelegenheiten immer mitbedacht werden. Außer bei der Piratenpartei natürlich. Haben Sie das gehört? Die sind ja mit 15 Abgeordneten ins Berliner Landesparlament eingezogen. Glück haben sie auch noch gehabt. 15 Kandidaten haben sie aufgestellt. Und 15 Mandate haben sie gekriegt. Ein paar Prozent mehr und die hätten ein paar leere Stühle aufstellen müssen. Oder was weiß ich, was man da macht, wenn eine Partei mehr Mandate kriegt als sie Kandidaten hat. Aber wie auch immer, die haben also 15 Kandidaten, also eigentlich, um das ganz korrekt zu sagen, 14 Kandidaten und 1 Frau. Und da wurde einer von diesen 14 Nerds, die es da ins Parlament geschafft haben, gefragt, warum's nur eine Frau bei denen gibt. Hat er gesagt, die Piraten haben ja gar nix gegen Frauen, er persönlich finde Frauen ja nett. 

Nett!

Vier Jahre, 200 Sendungen. Mein Videocast feiert ein kleines Jubiläum, und dafür gibt es eine Sendung im XXXXL-Format. Hier schon mal der Link zu derstandard.at, auf Youtube gibts die Sendung zum einbetten wie gewohnt spätestens am Mittwoch. Hope you like it!

FS 200.jpg

Economist.jpgDass ich das noch einmal erleben durfte: Dass der "Economist", das Zentralorgan der Free-Market-Business-Gang, alle links überholt und sagt - "besteuert die Reichen". Dabei hab ich mir, als ich mir gestern am Bahnhofskiosk das aktuelle Heft holte, nach einem Blick auf das Cover noch gedacht: "Aha, das war ja zu erwarten." Am Titelblatt sieht man eine Jagdgemeinschaft, die hinter Leuten mit Geldsäcken herreitet und dazu die Titelzeile: "Hunting the rich". Also, dieses Bild, das auch Frau Fekter evozierte: Die armen Reichen, hinter denen jetzt alle her sind. Aber im Leitartikel kam dann die Überraschung:

"Im allgemeinen", hob das Blatt an,

"ist der Instinkt dieses Magazins ja, dass wir für eine schlanke Regierung sind und gegen immer höhere Steuern, die in einen Wohlfahrtsstaat fließen, den wir uns nicht mehr leisten können. ... Aber es gibt drei gute Gründe, warum de Wohlhabenden mehr Steuern zahlen sollten. Erstens, die Defizite im Westen können nicht einfach durch Sparen reduziert werden. ... Zweitens, es ist politisch gut begründbar, warum das zusätzliche Geld, das gebraucht wird, von den Reichen kommen soll. Schon vor dem Zusammenbruch der Märkte sind die normalen und mittleren Einkommen stagniert, die Globalisierung hat den Gewinnern generöse Wohlstandszuwächse gebracht. (...)

In Europa sollte die Steuerlast von Einkommen zu Vermögen verschoben werden, damit könnte mehr von den Reichen eingesammelt werden, ohne dass das ihre Bereitschaft einschränken würde, unternehmerische Risiken einzugehen. ... Auf beiden Seiten des Atlantik gibt es genug Spielraum, die Differenz zwischen den Steuersätzen auf Lohn- und Gehalt-Einkommen und denen auf Einkommen durch Dividenden und Kapitalgewinne zu verringern."

Und dann zitiert diese Bibel der Business-Community noch - zustimmend - Barack Obama, der unlängst sagte, dass es das nichts mit Klassenkampf zu tun hat, wenn man für höhere Beiträge der Reichen ist - "sondern einfach mit Mathematik".

Denn man muss nur rechnen können und ein bisschen etwas von wirtschaftlichen Zusammenhängen verstehen, um zu begreifen, dass es nur diese eine Möglichkeit gibt, die Defizte zu reduzieren, ohne eine angeschlagene Ökonomie noch weiter zu schwächen. Meine Rede, seit Jahr und Tag. Willkommen im Klub, ihr Jungs vom "Economist". Vielleicht wird's ja sogar noch die Maria Fekter irgendwann begreifen.  








Robert Misik
robert@misik.at

Journalist & Sachbuchautor
Lebt & arbeitet in Wien

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Liebe Leserinnen,
liebe Leser!

Ich betreibe dieses Blog seit einigen Jahren und ohne allzu intensiver Arbeit daran ist er zu einem der meistgelesenen nichtkommerziellen Online-Formate in Österreich geworden.

Deshalb will ich diesen Blog in den nächsten Monaten mit etwas mehr Engagement hochpimpen, um ihn zu dem führenden progressiven Weblog Österreichs zu machen. Ein bisschen habe ich damit in den vergangenen Wochen schon begonnen.

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