Atheism Now! (5)

Dass mit der wachsenden Beliebtheit der These von der “Rückkehr der Religionen” auch die Religionskritik zurückkehrt - und das gelegentlich auf eigentümliche, ja amüsante Weise - darauf habe ich hier ja schon mehrmals hingewiesen (worauf ich in loser Folge auch immer wieder zurückkommen will). Ihre Hochbülte hat der “New Atheism”, ebenso wie der christliche Fundamentalismus, natürlich in den USA. Aber auch in unseren Breiten finden sich vermehrt Fundstücke einer Publizistik, die den Freunden von Good old Rauschebart an den Karren fährt. Zuletzt in einem lesenswerten Beitrag von Burkhard Müller im “Merkur“, der sich in die schöne Tradition der Gottesbeweise und Anti-Gottesbeweise einschreibt. In einer hübschen Passage heißt es:


“Warum hätte Gott uns und die rund eine Million anderen Tierspezies aber so erschaffen, daß wir, um überhaupt länger als ein paar Tage zu bestehen, unbedingt mindestens Pflanzen töten müssen, oft genug aber andere Tiere? Das bloße Wort »Nahrungskette« läßt erschauern, weil sich in ihm das Fressen und Gefressenwerden, von Glied zu Glied hinauf, als das System der Welt überhaupt ausspricht, vom Einzeller über den Wurm über den Singvogel bis hin zu dem, was wir uns schließlich als Braten munden lassen. Jedes Tier, sagt Nietzsche, ist das wandelnde Grab Tausender anderer.

Die belebte Welt ist ein höllisches Wunderwerk. Hyänen fangen schon an, sich die Steaks einzuverleiben, während ihre Beute noch vor ihnen davonrennt. Gottesanbeterinnen reißen ihrem männlichen Partner noch während der Kopulation den Kopf ab und beginnen ihn zu verspeisen. Viele Schlupfwespen lähmen eine Raupe durch gezielten Stich in einen Nervenknoten, legen ihr Ei ab und haben vorgesorgt: Ihre Larve wird den bewegungslosen, doch immer noch lebendigen und auf diese Weise stets frisch gehaltenen Körper nach und nach von innen auffressen – und wenn sie Pech hat, wird sie dabei das Opfer einer anderen Schlupfwespenart, die ihrerseits ihr eigenes Ei in die Larve legt, so daß, wie bei der Puppe in der Puppe, drei Wesen ineinanderliegen: die ursprüngliche Raupe, gefolgt von Wespenlarve A, gefolgt von Wespenlarve B. Schließlich schlüpft B, zur fertigen Imago herangereift, aus der doppelten Opferhaut, läßt auch die eigene alte Haut zurück und beginnt den Zyklus von neuem. Hyperparasitismus heißt dieses erstaunliche Phänomen. Dies, wie gesagt, ist nicht sadistischer Exzeß, sondern lebensnotwendige Regel kompletter Arten und Gattungen. Ist das Gottes Welt?”

Ein schönes Exempel eines ziemlich fehlgeschlagenen wissenschaftlichen Gottesbeweises referiert übrigens Richard Dawkins in seinem Buch: Er berichtet von einem Experiment, mit dem christliche Ärzte beweisen wollten, dass Gebete helfen. Eine Kirchengemeinde mit mehreren tausend Anhängern wurde verpflichtet, für Herzkranke zu beten. Die Herzkranken wurden in drei Gruppen eingeteilt: In jene, für die gebetet wurde, ohne dass sie davon wussten. In jene, für die gebetet wurde, und die davon wussten. Und in eine dritte Gruppe, für die nicht gebetet wurde, wovon sie natürlich auch nichts wussten. Für Agnostiker wie unsereins ist natürlich gar nicht überraschend, dass die, für die gebetet wurde und nichts davon wussten und jene, für die nicht gebetet wurden, eine ähnliche Genesungsrate aufwiesen (die Ärzte hatten allerdings ein anderes Ergebnis erwartet). Ulkig ist aber, dass die, für die gebetet wurde und die davon wussten, überdurchschnittlich häufig verstorben sind bzw. deutlich längere Heilungsperioden aufwiesen. Man interpretiert dieses Ergebnis jetzt so: Die hatten sich mächtig geschreckt, dass sie derart schwer krank seien und für sie schon tausend Wildfremde beten, worauf sie gleich noch viel kränker wurden.

Aus dieser Gruppe gibt es jetzt Sammelklagen gegen die experimentierenden Ärzte.



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1 Comment


Ist doch ganz einfach, Gott ist Sadist.

(Sorry, konnte mir den Kommentar nicht verkneifen)

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