Bankenkrisen und Staatsschulden-Krisen

Von dem Buch "Dieses Mal ist alles anders" der US-Wissenschaftler Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff war hier schon dann und wann beiläufig die Rede. Anhand einer Fülle von Datensätzen analysieren sie darin epidemische Boomphasen, die in Finanzcrash' endeten. Sie analysieren so ziemlich alle Finanzkrisen in den vergangenen Jahrhunderten. Zu den vielen interessanten Details gehört folgende Beobachtungen.

"Im Schnitt steigen die Staatsschulden in den folgenden drei Jahren nach einer Bankenkrise um 86 Prozent an. Diese indirekten finanzwirtschaftlichen Konsequenzen sind daher erheblich größer als die üblichen Kosten einer Bankenrettung." (Seite 32)

Die Bankenkrisen gehen also in eine Staatsschuldenkrise über. Ob das Staaten Probleme bereitet, hängt von eher erratischen Faktoren ab.

"Ein Schuldnerland kommt so lange zurecht, wie seine Kreditgeber ihm vertrauen. Wenn dieses Vertrauen aus irgendeinem (möglicherweise sachfremden) Grund verloren geht, dann kollabiert das Kreditgebäude und kein Kreditgeber hat die Macht oder den Willen, es aufrechtzuerhalten." (Seite 116)

Die Explosion der Budgetdefizite ist übrigens nur zum geringsten Teil Resultat der Bankenrettungspakete und Konjunkturprogramme. Das Gros machen die Steuerausfälle durch die geringere Wirtschaftsaktivität aus und die steigenden Ausgaben in Folge der sozialen Krise, die der Krach nach sich zieht. Dies nur als Hinweis für all jene Ideologen, die uns glauben machen wollen, die wachsenden Defizite seien Ergebnis langfristigen, "unverantwortlichen" Wirtschaftens der Staaten.

Sie sind Folge der Finanzkrisen.



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Und die Finanzkrisen sind die Folge von was?

Oder, treffender, der Audruck von was? Könnte das eventuell die Panik des scheuen Rehleins sein, das seine Ausbeutungshoffnungen, vulgo Rendite-Erwartungen, in sehr großem Stile den Bach runter gehen sieht? Also, um dem Kollaps des Kreditgebäudes mal ein bischen auf die Sprünge zu helfen: Die Panik ist realistisch, das Vertrauen möglicherweise sachfremd.

Und vor der Krise (bis 08/2008) hatten wir keine Schulden sondern habe wir offenbar nur zum Spaß auch schon damals ca. 30% unser gesamten Staatseinnahmen nur für Zinsen der Schulden, die wir Deiner Meinung nach noch gar nicht hatten, an die Banken überwiesen? Unsere Staatsschulden (oder zumindest den größten Teil davon) haben wir erst jetzt alle durch die Rettung der bösen Banken aufgebaut (die in der Realität nur Haftungszusagen erhalten haben, aber keinen einzigen Cent)? Nur die Krise, aber keineswegs das Ergebnis langfristigen, "unverantwortlichen" Wirtschaftens der Regierungen ist schuld an unserer Staatsverschuldung? Nicht Ideologen wollen Dir etwas einreden, sondern Fakten …

Das Problem ist, dass in den Zeiten der Krise alle nach Keynes rufen und die Staatsschulden massiv nach oben Treiben. Aber Keynes würde auch bedeuten, dass in den guten Zeiten keine neuen Schulden gemacht werden und wenn möglich sogar etwas Geld zur Seite gelegt wird. Dass das nicht passiert ist das "langfristige unverantwortliche Wirtschaften".

Was mich interessieren würde: steht in dem Buch auch ansatzweise, bei WEM die Staaten ihre Schulden haben? Das ist etwas, was mich brennend interessieren würde. Wer würde denn da kommen und die Schulden eintreiben wollen?

Das sind ja nicht Schulden im Sinne von Kredit wo jemand eintreiben kommt, sondern das sind Staatsanleihen: Die verkauft der Staat und bekommt dadurch Geld, zahlt dann in regelmäßigen Abständen Zinsen und wenn die Laufzeit abgelaufen ist den Gesamtbetrag zurück. Nachdem aber die Schuldenberge so hoch sind, kann der Staat den Gesamtbetrag nie selbst zurückzahlen sondern muss neue Anleihen ausgeben um die alten abzuzahlen (die Zinsen zahlt der Staat aus dem jährlichen Budget). Das kann problematisch sein wenn sich niemand mehr bereit erklärt die neuen Anleihen zu kaufen weswegen dann der Staat die alten nicht bezahlen kann und quasi Konkurs anmelden muss. Dann zahlt er die Schulden nicht zurück, wird aber mal für viele Jahre erst recht keine neuen Schulden mehr aufnehmen können.

Zum Beispiel: Griechenland musste vor kurzem eine fette Anleihe von vor 10 Jahren zurückzahlen. Das konnten sie natürlich nicht aus dem Budget. Deswegen wollten sie neue Anleihen ausgeben. Nachdem aber keiner mehr zu gängigen Zinssätzen griechische Anleihen kaufen wollte, war der Bankrott schon nahe. Das Problem ist nämlich, dass das Erhöhen der Zinssätze (um neue Käufer zu finden) erst recht problematisch ist, weil dann die regelmäßigen Zinszahlungen so hoch sind. Griechenland braucht daher Geldspritzen von der EU und dem IWF (deutlich niedriger verzinst) um die alten Schulden abzubezahlen.

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