Die Verachtung

Ich habe Post von den "Hinichen" bekommen. Und es hat mir ein bisschen die Sprache verschlagen. 

Man kann sich ja nicht aussuchen, von wem man Post erhält. Nach untenstehendem Kommentar, in dem ich die Frage stellte, ob es wirklich so eine gute Idee ist, auf Konzertabsagen der "Hinichen" zu dringen, schrieb mir ein Mitglied dieser, hmm, tiefen Band. 

Ich will auf den Inhalt gar nicht besonders eingehen. Der ist im wesentlichen schon ganz in Ordnung, nicht unbedingt meine Meinung, aber auch nichts Skandalöses. Was mir aber wirklich die Sprache verschlagen hat, waren die Schlussätze. Da schreibt der Hinichen-Mann: 

"...wir stehen auch für ein Gespräch zur Verfügung, Sie werden merken, das die Band aus sehr gebildeteten Mitgliedern besteht. Das was wir machen, ist, wie der Mann (und die Frau) auf der Strasse wirklich sprechen, und da hat der Hr. Lobo wahrscheinlich schon den Boden verloren (und den Boden betreten dann halt die Blauen...)."

Was will uns der Mann mit diesen Sätzen sagen? 

1. die normalen, einfachen Leute, die denken und reden so, wie wir in unseren Songs. Also so:  "Wir mischen auf im Frauenhaus, / yippie, yippie, yeah, / wir peitschen die Emanzen aus, / yippie, yippie, yeah, / wir treiben die Lesben vor uns her, / yippie, yippie, yeah, / das fällt uns Kerl´s gar net schwer, / yippie, yippie, yeah."

2. Aber wir denken eh nicht so. Wir sind gebildete Leute, wir geben den Prolo-Affen nur den Zucker, und das ist für die therapeutisch, wenn sie das raus lassen.

Wie viel Verachtung für das eigene Publikum kann man eigentlich haben? Ist eigentlich mehr an Hochnäsigkeit den "einfachen Leuten" gegenüber vorstellbar? 

Wie irre ist es eigentlich, wenn dann gerade von dieser Seite behauptet wird, die linksliberalen Bobos würden auf die einfachen Leute herabschauen? 

Nein, nicht wir Gutmenschen verachten die einfachen Leute. Nein, der "Mann (und die Frau) auf der Strasse" denkt nicht so. Denn die meisten normalen Menschen haben ihr Herz am rechten Fleck. Und wenn der Durchschnittsbürger von irgendjemandem verachtet wird, dann von den selbsternannten "gebildeten" Leuten, die behaupten, sie würden ihm auf's Maul schauen. 

Das war schon immer so. Danke an die Hinichen, dass sie das so offen und schamlos aussprechen. 


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Robert Misik
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Journalist & Sachbuchautor
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