Paul Krugman ist auf Deutschlandsreise und da ist ein Clash of Civilizations programmiert: da der Amerikaner, der seinen Keynesianismus mit dem landestypischen Pragmatismus kombiniert, da die deutschen Wirtschaftseliten, die schon wieder „Weniger Staat" kläffen und das auf die typische überspannte, ideologische Art. Jetzt gibt es Aufregung, weil Krugman in einem Handelsblatt-Interview sagte, bei einer Bestellung des konservativen Bundesbankpräsidenten Axel Weber zum nächsten Präsidenten der Europäischen Zentralbank drohe ein „Desaster für uns alle". Weber hatte sich ja gegen die Hilfsaktionen für Griechenland und Spanien, besonders gegen die Ankäufe von Staatsanleihen durch die EZB ausgesprochen und gehört ganz grundsätzlich zu jenen Währungshütern, die auf ein Inflationsziel von ein, zwei Prozent starren, egal ob die Arbeitslosigkeit bei vier, zwölf oder zwanzig Prozent liegt. Wenn jemand mit Webers Philosophie an die Schaltstellen komme, dann steigt die Gefahr einen Dominoeffektes mit Banken- und Staatspleiten, sagte Krugman. Was ja eigentlich keine Meinung, sondern ein Fakt ist - Weber agitiert ja schließlich nicht im Geheimen gegen europäische Rettungsprogramme und für rigide Sparpolitik.
Krugman: "Er wehrt sich ja selbst gegen die moderaten Käufe von Staatsanleihen durch die EZB. Weber macht sich Sorgen über Inflation, wenn es keine Inflation gibt. Ich würde lieber einen EZB-Präsidenten sehen, der Deflationsgefahren und dem Risiko einer langen Stagnation mehr Bedeutung beimisst."
Wie es ist, mit Ideologen zu diskutieren, beschreibt Krugman hier und er erinnert an eine amüsante Anekdote. Als der legendäre US-Ökonom Rudi (eigentlich Rüdiger) Dornbusch mal in Deutschland auf einer Konferenz war, begrüßte er die dort versammelten Zentralbanker im Hotel beim Frühstück nicht mit dem üblichen „Guten Morgen", sondern mit einem freundlichen: „Ich wünsche Ihnen Geldwertstabilität."
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