Je weniger studieren, umso besser! Wie kommt Josef Pröll eigentlich darauf?

Wenn man sich die einzelnen Maßnahmen des zusammengeschusterten Budgetentwurfes ansieht, und wenn man sich da mal auf die Maßnahmen konzentriert, die ÖVP-Chef und Finanzminister Josef Pröll wichtig waren, dann kommt man zu folgendem Schluss: Die meisten haben vor allem den Sinn, möglichst einfach Geld ins Budget zu spülen und möglichst keine Umverteilungswirkung von Oben nach Unten zu haben.

 

Nur bei einem Bündel der Maßnahmen ging es dem Vizekanzler offenbar um Lenkungswirkung - bei den Maßnahmen, die die Universitäten betreffen. Da wurden Zugangsregelungen durchgesetzt. Und die Streichung der Familienbeihilfe über 24. Und. Und. Und.

Kurzum: Das ist das einzige zusammenhängende Bündel an Maßnahmen, bei dem ein steuerndes Muster zu erkennen ist. Und das lautet simpel: Es sollen Maßnahmen ergriffen werden, die dazu führen, dass weniger Leute studieren und die, die studieren, nur einen unterqualifizierenden Bachelor-Abschluss machen.

Und da möchte ich, simpel, nüchtern und unaufgeregt einfach fragen: Wieso glaubt Josef Pröll eigentlich, dass es das Land weiter bringt, wenn weniger Leute eine höhere Bildung haben? Ich meine, wenn man sich mit soviel Verve dafür einsetzt, kann es doch wohl nicht nur um banale Finanzierungsprobleme gehen. Er muss ja eine Idee haben, warum ein Land, in dem man Hürden für höhere Bildung aufbaut, ein besseres Land ist. Ich würde das gerne verstehen, komme aber trotz intensiven Nachdenkens nicht drauf. Vielleicht könnte uns der Vizekanzler das einmal erklären.



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9 Comments


Ich denke es braucht nur ein Wort um das zu Erklären: Standesdünkel

gebildete menschen bemerken eher, wenn sie von ihren gewählten volksvertretern belogen und ausgenutzt werden.

ein dummes volk ist leichter zu regieren und mit einer plakativen "bankenabgabe" und "aktiensteuer" abzulenken, während von unten nach oben umverteilt wird.

http://www.hostmaster.org/budget_2011

Es scheint mir, daß Sie hier einem Denkfehler unterliegen, geschätzter Herr Misik: Quantität (Anzahl der Studierenden) ist nicht gleich Qualität (das Land "weiterbringen"). In der Tat spielt hier die Qualität der Ausbildung, die Anbindung der Universitäten an Unternehmen,etc., eine große Rolle.

Warum nur ist die universitäre Ausbildung im angelsächsischen Raum im Durchschnitt um Klassen besser als im deutschen Sprachraum (von wenigen Ausnahmen abgesehen)? Weil die Universitäten sich die Studierenden aussuchen können und kein Massenbetrieb vorherrscht.

Studiengebühren (und zwar solche, die ihren Namen wirklich verdienen) haben da einen eindeutig positiven Effekt. Mit Stipendien für sozial Schwache kann de facto jeder studieren, wenn er begabt genug ist.

Natürlich gibt es eine Korrelation zwischen Einkommen der Eltern und Wahrscheinlichkeit des Universitätsbesuchs der Kinder, aber nicht weil der Besuch nicht leistbar wäre (ist er, wegen der Stipendien), sondern weil Bildung in höheren sozialen Schichten ein höherer Wert ist als in der Unterschicht.

Sorry, aber das Argument "Je mehr Leute auf die Uni, desto besser" ist falsch und sogar kontraproduktiv, da Massenbetrieb, wie wir ihn bereits haben, zu schlechter Ausbildung für alle führt.

forward to: josef pröll - lieber herr misik ,) - betreff: "?"

Naja, wenn man sich die Frage stellt für wen in diesem Land es besser ist, dass nur bestimmte Menschen Zugang zu Bildung haben (nämlich die, die es sich leisten können und somit die, die schon Macht besitzen) dann kommt man der Wahrheit denk ich schon näher. Aus freier, kritischer Bildung kann leicht Kritikfähigkeit entstehen. Und das will der Pröll anscheinend nicht. Oder er hat sogar Angst davor.

Naja, wenn man sich die Frage stellt für wen in diesem Land es besser ist, dass nur bestimmte Menschen Zugang zu Bildung haben (nämlich die, die es sich leisten können und somit die, die schon Macht besitzen) dann kommt man der Wahrheit denk ich schon näher. Aus freier, kritischer Bildung kann leicht Kritikfähigkeit entstehen. Und das will der Pröll anscheinend nicht. Oder er hat sogar Angst davor.

es ist ganz einfach: die vision des herrn pröll ist es, zustände wie in china zu schaffen. ein von den eliten befehligtes sklavenheer, das produziert und schuftet und dankbar alle almosen entgegennimmt, die ihnen die mächtigen gönnerhaft überlassen. almosen, die die sklaven eigentlich selbst produziert haben, und dann wieder von den eliten 'zurückkaufen' müssen. und dabei schneiden sich die eliten eben einen immer größer werdenden teil ab. das kann nur funktionieren, wenn die gruppe der befehlshaber kleiner wird, oder zumindest gleichbleibt. deshalb muss man der 'unterschicht' die möglichkeit nehmen, aufzusteigen, bzw. diese stark begrenzen und kontrollieren. Es bedarf einer immer stärkeren Trennung zwischen Sklaven und Eliten. Einfach um die bisherige Machtverteilung zu erhalten. Protektion eben. Und sollte jemand aus der schicht des minderen lebens tatsächlich studieren wollen, muss man ihn immer an der kurzen Leine halten. Er muss lernen und arbeiten, darf daneben keine Zeit haben, sich um politische oder gesellschaftliche belange gedanken zu machen. am besten schließt er mit einem berg von schulden ab, damit er auch danach viele jahre effizient und ohne zeit für nachdenken schuftet. Während die Elite natürlich auf den Privatuniversitäten sitzt. Der Ausbau dieser Privat-Unis ist letztendlich auch ein Ziel der jetzigen Strategie des Aushungerns der öffentlichen Unis. Die öffentlichen unis sollen in Zukunft auch nur noch Sklaven produzieren. Und die Bank gewinnt. Und die Bank heißt Pröll.

also zu Till muss ich noch sagen: wir haben keine masse an studierenden. wir haben im internationalen vergleich viel zu wenige. das ist nicht der grund für die derzeitigen probleme. der einzige grund ist die kürzung der mittel. darunter leidet die qualität. und das ist auch beabsichtigt, wie vorhin schon erwähnt.

an Till:

der sogenannte "Massebetrieb" gilt erstens nicht für alle Studiengänge.


Zweitens:
Indem man nur den geeignetsten Kandidatinnen die Möglichekit eines Studiums bietet, erhält man natürlich idr. immer nur die Besten "durchschnittlichen" Leistungen,

das aber wiederum nur während man einer anderen größeren Zahl an (möglichen Absolventen/) Menschen ihr recht auf freie Bildung verwehrt !

...was für die Gesamtheit der Gesellschaft jedoch einen Mangel an Akademikern und deren Arbeitskraft beim "Land Weiterbringen" bedeutet.

( ... ein Super-Bauarbeiter kann trotzdem nicht die Arbeit von vier normalen erledigen)

Drittens:
Zum Glück gibt es zur Rettung der "klügsten Köpfe" ja noch Privatuniversitäten

aber am Bildungszugang für die Allgemeinheit sollte in einem Europa der Neuzeit nicht gespart werden

find ich


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Robert Misik
robert@misik.at

Journalist & Sachbuchautor
Lebt & arbeitet in Wien

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