Bosbachs Liste

Wer zum Islam konvertiert, soll zentral registriert werden, fordert der CDU-Fraktionschef. Eine schöne Idee! taz, 13. September 2007

In welchem Paralleluniversum der Heilige Geist seine Runden ziehen mag, um die Unionsspitze scheint er derzeit einen großen Bogen zu machen. "CDU-Generalsekretär fordert Kruzifixe in allen Schulen", lautete eine Schlagzeile vom Wochenbeginn, nur einen Tag später warf sich der Fraktionschef an die Front des Kampfes der Kulturen: "Bosbach für Konvertiten-Register". Die krause Logik: An den jüngst ausgehobenen, mutmaßlichen Terrorzellen in Deutschland waren, wie zuvor schon bei einer Reihe anderer miss- und geglückter Anschläge, radikalisierte Neomuslime beteiligt. "Normale Deutsche" also, die weder Mustafa noch Mohammed, sondern Fritz oder Daniel heißen.

 

Daraus schließt Bosbach messerscharf: Wenn der Sepp ein Molem wird, dann macht er sich verdächtig. Da muss eine Kartei her. Eine tolle Idee: Vielleicht eine Datei nach der Art der Päderastenregister, in denen in manchen Ländern verurteilte Sexualstraftäter geführt werden? Womöglich öffentlich zugänglich, damit der Nachbar auch ein wachsames Auge auf den potenziellen Dschihadisten werfen kann? Wer genau sollte denn erfasst werden? Nur, wer den Islam annimmt? Oder jeder, der mal von der einen (oder von keiner) Religionsgemeinschaft in eine andere übergetreten ist? Und was, wenn der terroraffine Neomuslim gleich in die Terrorzelle gerät und sich gar nirgends registrieren lässt? Schließlich gibt es ja keine muslimische "Kirche".

Nun, der Vorschlag ist schon alleine deshalb absurd, weil Bosbach natürlich selbst weiß, dass eine solche Regelung nie eine Chance auf Realisierung und vor dem Grundgesetz keinen Bestand hätte. Man wundert sich freilich schon, was diese Gehirne so ausbrüten können, und fragt sich langsam, auf welche Ideen die womöglich noch kommen. Man kann natürlich sagen, wie das ein SPD-Innenpolitiker tat: "Bosbach spinnt."

Aber die individuellen Narreteien stehen in einem, nun ja, dialogischen Verhältnis zu den gesellschaftlichen Pathologien. Dieser Irrsinn kommt nicht aus dem Nichts. So ist die christdemokratische Schlagzeilenmanie gewiss kein Zufall: Die Kreuze hoch, die Muslime ins Register.



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Robert Misik
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