Nach uns die Ölpest!

Die Katastrophe der „Deepwater Horizon" ist kein Unfall - sondern der High-Risk-Strategie der Süchtigen nach der Droge Öl. Die Welt muss auf Entzug. taz, 2. Juni 2010

 

 

 

Das klebrige Zeug sprudelt aus dem Bohrloch eineinhalb Kilometer unter der Erdoberfläche und niemand weiß, wie man es denn wieder verschließen kann. Gerade endete auch die jüngste „Top-Kill"-Zustopfaktion von BP im Desaster - wie die vielen Versuche vorher. Es ist halt ein Unglück, dass die Bohrinsel „Deepwater Horizon" in Brand geraten und gesunken ist. Unglück, das reimt sich für viele auf: Was für ein Pech. Höchstens wird noch gefragt: Wer hat da gepfuscht?

 

Aber diese Katastrophe hat systemische Ursachen. Und im Grunde gibt es nur eine Lehre aus dem „Unglück", das insofern keines ist: dass wir rausmüssen aus dieser Steinzeitechnologie - dem Öl, der Kohle, dieser Energiegewinnung aus endlichen Ressourcen, deren Verbrennung das Klima ruiniert und deren Förderung die Welt verpestet.

 

Da die bisher erschlossenen Erdölfelder demnächst leergepumpt sind, versucht man zunehmend in schwerer zu erschließenden Regionen zu bohren. Man setzt dafür riskante Technologien ein, die man ganz offenkundig nicht beherrscht - wenn einmal etwas schief läuft.

 

Und all das, weil man uns sagt: Wir brauchen Öl, mehr Öl, noch mehr Öl. Weil unser Lebensstandard von den fossilen Energien abhängt, und weil heute Milliarden Menschen auch einen vergleichbaren Lebensstandard anstreben und weil dieses berechtigte Streben nur mit noch mehr Verfeuerung von Öl und Kohle befriedigt werden kann.

 

Aber was, wenn das gar nicht notwendig ist? Es wäre wohl vernünftiger, man würde die Milliarden und Abermilliarden, die in solche nutzlosen Bohrungen (und jetzt in die Aufräumarbeiten) investiert werden, in erneuerbare Energien stecken, in die Umrüstung der Autos, in den öffentlichen Verkehr.

 

„Die Steinzeit ging auch nicht zu Ende, weil uns die Steine ausgingen", sagte schon vor einigen Jahrzehnten ein weitblickender saudischer Ölminister. Sondern weil die Menschen etwas Besseres erfunden hatten. Und dazu ist man heute auch schon in der Lage. Es ist ja immer noch üblich, dass Menschen, die auf ihr praktisches, realistisches Denken viel geben, die Augen verdrehen, wenn das Wort „erneuerbare Energien" fällt. So nach der Art: Jetzt kommen die weltfremden Schwärmer wieder mit ihren Windrädern. Aber die Realisten haben da etwas nicht mitbekommen.

 

In Deutschland wird heute schon alle Tage ein neuer Windpark in der Nordsee eröffnet - mal kann er den Strombedarf von 50.000-Einwohner-Städten decken, dann von 200.000-Einwohnern. Jedes zweite Bauernhaus hat schon Solarzellen am Dach. Energieerzeuger experimentieren mit riesigen Solarfeldern in der Wüste. Länder mit großen Flüssen decken einen hohen Anteil ihres Stroms durch Wasserkraft. Laut einer Studie des deutschen Umweltministeriums könnte man ohne große Probleme in zehn Jahren 80 Prozent des deutschen Stromverbrauchs durch Ökostrom decken. Dazu bräuchte es Speicherkraftwerke und intelligente Stromnetze.

 

Die Hohepriester der freien Marktwirtschaft - oder sind es die Lobbyisten der großen Ölfirmen, man kann das oft nur verdammt schwer auseinanderhalten? -, halten hier natürlich dagegen. Zunächst behaupten sie, dass die Probleme gar nicht existieren: Klimawandel? Gibt's doch gar nicht! Und wenn es die Probleme gäbe, fügen sie in einem zweiten Schritt hinzu, dann würde der Markt es schon richten. Zukunftszugewandte Investoren riechen doch in jedem Problem eine Geschäftsmöglichkeit.

 

Aber das ist natürlich Quatsch. „Märkte produzieren von sich aus zu wenig von manchem, was gesellschaftlich nützlich ist, etwa Forschung, und zu viel von anderem, was schädlich ist, etwa Umweltverschmutzung", schreibt Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz. Zumal es den Markt, wie ihn sich die Freunde der freien Marktwirtschaft ausmalen, mit seinem demokratischen Reziprozität der Marktteilnehmer gar nicht gibt. Die großen Ölfirmen sind mächtig im Ölgeschäft, sie wollen daher, dass das Ölgeschäft so lange wie möglich seine Superrenditen abwirft. Sie investieren nicht, damit sie vielleicht in 30 Jahren die Kings im Windradgeschäft sind, sondern sie tun alles dafür, dass sie in den 30 Jahren bis dahin noch fett in Öl verdienen.

 

Für große Kehrtwenden und massive Investitionsprogramme haben noch nie „die Märkte" gesorgt - vom Aufbau des Eisenbahnnetzes über die Mondlandung bis zur Entwicklung des Internets. Und so braucht es auch diesmal einen Plan und staatliche Investitionsprogramme. Was die Stromversorgung betrifft, ist das kein großes Kunststück mehr. Das wirkliche Problem ist die Energie für unsere Mobilität. Aber auch da könnte viel getan werden. Langfristig müsste eben der Bau ganz anderer Autos gefördert werden. Und die intelligente Produktion von Biodiesel. Gerne wird angemerkt, schon ein bisschen Umrüstung auf Biodiesel hat zu einer Nahrungsmittelkrise geführt, weil wir den Mais in unsere Tanks gefüllt haben, und es den Ärmsten deshalb an Essen fehlte. Aber man kann Biodiesel auch aus städtischem Abfall oder Rasenschnitt herstellen, also aus Zeug, das ohnehin anfällt und keine Anbauflächen verbraucht. Der Ex-Stabschef von Bill Clinton und Übergangsstabschef von Barack Obama, John Podesta, schätzt, dass damit allein 30 Prozent des amerikanischen Ölverbrauchs ersetzt werden könnten. Die neueste Idee, die die Forscher elektrisiert, ist die Möglichkeit, Bioantrieb aus Algen herzustellen.

 

All diese Lösungsvarianten zusammen würden ein Bündel ergeben, sodass wir die Erdöl-Steinzeit hinter uns lassen. Aber all das kostet natürlich Geld. Damit die fortgeschrittenen Volkswirtschaften aus der Wirtschaftskrise rauskommen, müssen die Staaten in den nächsten Jahren ohnehin noch viel Geld in die Wirtschaft pumpen. Da ist es dann doch immer noch sinnvoller, das Geld für nützliche Dinge auszugeben, anstatt etwa noch mehr Beton in die Landschaft zu gießen.

 

Die Katastrophe im Atlantik ist kein Unfall. Sie ist die perverse, aber logische Folge davon, dass wir uns immer noch an eine überholte Technologie klammern und glauben, alle Probleme würden sich schon in Luft auflösen, indem Unternehmen am Markt um die besten Lösungen konkurrieren.

 



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8 Comments


"Katastrophe im Atlantik" ich glaub Golf von Mexico nennt sich der aktuelle Schauplatz.

Nahrungsmittelkrisen in der Dritten Welt, insbesondere Afrika, werden eher durch subventionierte Exporte aus der Ersten Welt verursacht.

Etwas was die Leute (also eher externe Berater und Planer, aber doch mit besten Absichten) unterschätzen wenn eine Öko-Energie Projekt in einer Gemeinde umgesetzt werden soll, sind die Begehrlichkeiten und vor allem auch Ängste der ansässigen Unternehmer. Ich hab mich da mal sehr gut im Zug mit einem Experten für erneuerbare Energie unterhalten und der meinte, ein Projekt für Fernwärme ist ihm mal gescheitert weil er den Kaminkehrer nicht früh genug kontaktiert hat und der dann bei der wichtigen Abstimmung gegen das Projekt aufgehetzt hat. Es ist auch kein Ding der Unmöglichkeit den lokalen Öllieferanten ins Boot zu holen, nur darf man's halt nicht vergessen.

Das Grundproblem ist dass keine Kombination von derzeit verfügbaren Energiequellen Öl annähernd ersetzen kann - und das Sagen nicht Ölfirmen sondern Energieexperten Chemiker, Physiker etc. Ganz zu schweigen von der Petrochemie die Öl als Basis für Plastik, Düngemittel, Pestizide etc. braucht. Derzeit braucht ein kcal Nahrung in einem westlichen Supermarkt 100kcal fossile Brennstoffem und da ist .
Weiters: 75% der Gesamtenergie (Transport, Stromerzeugung usw.) welche im "Westen" konsumiert wird fällt auf fossile Brennstoffe.


Das soll aber nicht ein Pladoyer für Öl sein sondern gerade unterstreichen dass du vollkommen recht hast und es diese riesige strukturelle Abhängigkeit so bald wie möglich loszuwerden gilt. Es muss aber klar sein ein Großteil des Strukturwandels uns nicht von unserer Verantwortung entlässt und dass Sparsamkeit und weniger Energiekonsum eine Notwendigkeit werden wird, spätestens dann wenn in ein paar Jahren die ersten globalen Ölversorgungskrisen kommen werden.

Der Golf von Mexiko ist Teil des Amerikanisches Mittelmeeres welches ein Nebenmeer des Atlantiks ist.
Aber wir wissen ja alle was er gemeint hat ;)

Da kommt so eine Wirtschaftskrise ja ganz gelegen, oder? Der Konsum wird zurückgehen, weil die Leute sich eh nix mehr leisten können ;)

Ich stell mir gerade vor wie ein Mitglied des Parlaments den Plan vorschlägt die Bürger darum zu bieten weniger Energie zu verbrauchen und das gesparte Geld in einen Fördertopf für die Subventionierung von zukunftsträchtigen Energieprojekten zu investieren. Quasi Staatsanleihen die an einen Zweck gebunden sind...

Wie werden wohl die anderen Parlamentarier reagieren?

es geht mmn. zuerst mal darum:
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/cd/Oil_reserves_2005.jpg
Wenn der größte ölverbraucher der welt (23% der weltfördermenge) auf nur mehr 5% der reserven sitzt, geht es um macht und nicht um überlegungen der energieversorgung. Machtüberlegungen haben aber deutlich andere risikofaktoren, als infrastruktur-sicherung.
Die energieversorgung der zukunft muss auch dezentralisiert werden um die nötigen anforderungen an die versorgungsstabilität zu erfüllen und fossile energieträger ersetzen zu können. Das wollen aber die energieversorger nicht, denn das bedeutet machtverlust.
Wir leben energietechnisch in der steinzeit, weil wir ein steinzeitliches machtspielchen damit aufführen, weil wir also mental noch steinzeitlich sind.

@BEN
50% des gesamtenergiebedarfs entfällt auf haushalte und gewerbe, wovon 62% auf öl und gas fallen. Das entspricht derzeit etwa 27% des ölbedarfs und 60% des gasbedarfs (liebesgrüße nach moskau). Wenn wir die haushalte dezentral versorgen und energietechnisch "defossilieren" brauchen wir kein geld mehr für neue bohrungen, könnten doe riskantesten löcher schließen, könnte genug strom für elektroautos produzieren usw. Nur knapp 30% des derzeitigen ölbedarfs ist aus heutiger sicht nicht substituierbar.
Und wieviel kriege werden dafür angezettelt?


Spannend auch das (lustigerweise von BP):
http://mazamascience.com/OilExport/index_de.html

oder das:
http://images.haus.de/UPLOAD/HBUIA9naWxO.jpg

oder das:
Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie viel Energie in einem Kilo Kiwi-Früchte aus Neuseeland steckt? Soviel, dass man 6.800 kg heimisches Obst aus einem Umkreis von 100 km transportieren kann! Für ein Kilo Weintrauben aus Südafrika werden über vier Liter Kerosin verflogen. Energiesparer sind Ökobauern, die z.B. beim Anbau von Tomaten nur 2% der Energie einsetzen, die eine holländische Gewächshaustomate benötigt. Wussten Sie, dass die Nordseekrabben im Laden einen Kurztrip nach Marokko hinter sich haben, weil dort die Schalen für weniger Lohn entfernt werden, als in Deutschland? Insgesamt verursacht so die Nahrungsmittelbereitstellung weltweit 20% des Energiebedarfs und 15% der CO2-Emission!
Aus: http://www.enercheck.de/energiekrise.html

1. 90% des Öls wird von staatlich vergesellschafteten Ölkonzernen kontrolliert.

2. Die fraglichen Staaten subventionieren auch noch den Benzinpreis, wodurch die Ölförderländer immer mehr von ihrem eigenen Öl auf verschwenderische Weise brauchen. In Venezuela kostet der Liter 10¢.

3. Die Eisenbahnen wurden ursprünglich sehr wohl von privaten Investoren entwickelt und gebaut. Sie wurden aber unprofitabel, unter anderem, weil ...

4. ... der Staat den Straßenverkehr subventioniert. Straßen sind vergesellschaftet.

5. Die durch Marktwirtschaft entstehende Umweltverschmutzung muss man anderen wirtschaftlichen Systemen gegenüberstellen. Der Sozialismus war extrem verschwenderisch und umweltzerstörerisch, weil es keine Preisbildung gibt und Ressourcen somit nichts kosten. Der CO2-Ausstoß im Ostblock war höher als im Westen und höher als heute. Im Feudalismus wurde halb Europa abgeholzt.

6. Windenergie zahlt sich aus und wird daher von profitmaximierenden Kapitalisten forciert.

7. Öl wird primär für Verkehr und Heizung eingesetzt. Elektrizät ist eine andere Baustelle. Dass Transport jemals mit etwas anderem als Flüssigkraftstoffen betrieben werden kann ist unwahrscheinlich[1].

8. Biomasse ist eine Form der Sonnenenergie und kann, jedenfalls wenn man die Agrarflächen heranzieht niemals unseren Ölkonsum ersetzen.

9. Die Ölförderung stagniert seit 2005 und der Ölpreisschock hat bereits zum Konsumverzicht und zu mehr Effizienz geführt. Preissignale funktionieren.

10. Emissionshandel ist die marktwirtschaftliche Lösung. Leider sind viele Länder der Ansicht, dass die Atmosphäre niemandem gehören soll und folglich jeder nach seinen Bedürfnissen verschmutzen können solle. Das nennt man die Tragik der Allmende. Ein Gut, das niemandem gehört wird über Gebühr beansprucht.

11. In den USA sind Schadensersatzforderungen für Ölkonzerne auf 75 Mio $ begrenzt. Das ist eine Marktverzerrung zugunsten der Konzerne und sicher nicht laissez-faire.

12. Die deutsche Solarförderung ist nicht sinnvoll. Herstellung von Solarpanelen ist energieintensiv.

Was Österreich machen sollte, ist weniger staatliche Einmischung. Autobahnbau-Stopp, Subventionen fürs Pendeln streichen, sowie die direkten und indirekten Subventionen für Zersiedelung (Eigenheimzulage usw.), Asfinag privatisieren, damit diese wenigstens per Maut kostendeckend finanziert wird und Autokonzerne in Konkurs gehen lassen.
Den Rest erledigen die kommenden Preissteigerungen fürs Öl.

Die SPÖ wird freilich nichts von alledem machen. Im Gegenteil prophezeie ich, dass beim nächsten Preisanstieg die Pendlersubventionen noch einmal erhöht werden.

[1] http://chorherr.twoday.net/stories/6333355/

@dieter:
also normalerweise hör ich ja auf zu lesen, wenn die erste zeile schon daneben ist. Weder exxon noch BP noch shell noch chevron befinden sich in irgendeiner form unter staatlicher kontrolle. Diese 4 gesellschaften verarbeiten 18% des weltweit geförderten rohöls. Lediglich die saudische aramco, die etwa so groß ist wie die anderen 4 zusammen, ist in staatsbesitz. Sofern man in einem absolutistischen land von staatsbesitz reden kann.
Ich find es auch recht g'schlampert, eine behauptung nach der anderen beleglos hinzu knallen. Ich glaub ja, dass sie sich auskennnen, aber so ist das nicht diskussionsfähig.
Was mir dann gänzlich sauer auffährt ist ein seitenhieb auf irgendeine partei. Es gibt in A keine partei, die derzeit auch nur im ansatz zukunftsfähige konzepte dazu hat, von realpolitischem verhalten ganz zu schweigen. Gerade der deregulierungsansatz der neokapitalisten führt zu bedingungsloser kostenminimierung auf kosten der sicherheit und eines bewussten umgangs mit rohstoffen. Da geht es um die erhaltung von einnahmequellen, marktpositionen und sonst nix und versucht alle kosten zu externalisieren, dass wir es halt anders rum zahlen dürfen, die konzerne aber reich dabei werden.
Ein markt ohne regeln - das haben wir grad mehrfach erleben dürfen und wir sollten was draus lernen. Ich bin absolut für freie marktwirtschaft, aber frei innerhalb jener räume, die keine hypotheken (weder finanziell noch gesundheitlich noch räumlich) auf die zukunft aufnehmen. Wenn man z.b. energieversorger/händler dazu verpflichtet, 1% ihrer umsätze in fonds für sonnenenergie (bitte keine biomasse) einzuzahlen und gewinne dieser unternehmen progressiv, aber zweckgebunden besteuert, haben z.b. ein sehr einfaches modell, wo wir binnen 15 Jahren 25% unseres ölbedarfs auf andere energien umschichten ohne den öl/benzinpreis zu erhöhen.

@Diwan:
http://en.wikipedia.org/wiki/Petroleum_industry

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/1/11/Reservespie.png
"The reserves of the privately-owned companies are grouped together. The oil produced by the "supermajor" companies accounts for less than 15% of the total world supply. Over 80% of the world's reserves of oil and natural gas are controlled by national oil companies. Of the world's 20 largest oil companies, 15 are state-owned."

Ich weiß nicht, was du von einem Blog-Kommentar erwartest? In meinem langen Kommentar wollte ich einfach einige Aspekte kurz anreißen. Ich habe zu deinem Milchmädchenvergleich von Äpflen und Kiwis auch nichts geschrieben. Da gäbe es viel zu beanstanden.

Die SPÖ habe ich nur erwähnt, weil Robert Misik, wenn er vom wohlmeinenden Vater Staat schwärmt, damit ja einen von der SPÖ regierten Staat meint.

Der Staat kontrolliert aktuell etwa 50% der Wirtschaftsleistung. Nutzt er diese Macht, um, wie du dir das vorstellst, in weiser Voraussicht und Sorge für künftige Generationen den sparsamen Umgang mit Ressourcen zu forcieren und Umweltkosten zu internalisieren? Nein. Der Staat externalisiert die Kosten sogar. Er baut am laufenden Band neue Autobahnen, die von jenen künftigen Generationen bezahlt werden müssen, die mangels Öl von eben diesen Autobahnen gar nichts haben werden.

In Sachen Zersiedelung und autofreundliche Stadterweiterung sind Bund, Länder und Gemeinden Systemanbieter. Von der Planung, über die subventionierte Ansiedlung von Handelsketten (außerhalb der Ortskerne) und Häuslbauern, die teure Infrastruktur, bis zur Pendlersubvention. Netto bezahlt das der vergleichsweise Energie schonender lebende Rest.

Im real existierenden Staat hast nämlich du, Diwan, offenbar nichts zu sagen. Leute wie Pröll, Häupl und Dörfler bestimmen wo's lang geht. Und für die bist du mit deinen Wünschen allerhöchsten ein "Koffer", oder vielleicht Rad fahrender "Loser", oder ein "Sozialneider", der den Pendlern nichts gönnen will.

Einzelne Technologien als Champion zu küren, davon halte ich nichts. Solltest du, falls du gegen Biodiesel/Bioethanol bist, das nicht gelernt haben? Das wurde von den EU-Technokraten als zukunftsweisende Lösung betrachtet und eine Beimischungsquote zum fossilen Sprit vorgeschrieben. Dieses Programm wird uns wie jedes Staatsprogramm mindestens jahrzehntelang erhalten bleiben.

Welche Technologien und Energieformen zukunftsweisend und nachhaltig sind, das wird sich bei steigenden Ölpreisen letztlich am Markt ergeben. Der Staat wirkt hier nicht nur nicht progressiv, sondern sogar reaktionär. Auch die Grünen haben 2008 angesichts der Spritpreis-Explosion im Parlament für eine Erhöhung der Pendlerpauschale gestimmt. Und sie werden es das nächste mal wieder tun und damit die Anpassung auf Kosten der Allgemeinheit und zukünftiger Generationen hinauszögern.

So schaut's in der Realität aus.

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Robert Misik
robert@misik.at

Journalist & Sachbuchautor
Lebt & arbeitet in Wien

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